Eau, so British: Wie Penhaligon's die britische Duftkultur prägt - séduction Magazin Germany
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Eau, so British: Wie Penhaligon’s die britische Duftkultur prägt

Von Redaktion 18/10/2025
Credit: PR
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Wie duften Hoffnung, Erfolg, Umbruch und Neuerfindung gemischt mit Londoner Stadtluft? Seit 155 Jahren stellt der versprüht der britische Parfumeur Penhaligon’s seine Essenzen her – legendäre Parfums, die nicht nur das Königshaus schätzt.

Es war einmal ein kleiner Barbier aus Cornwall, der auszog, um sein Glück zu machen. Was klingt wie die britische Version eines Grimmschen Märchens, beruht auf einer wohl dokumentierten, wahren Begebenheit. Im Jahr 1869 verließ der gelernte Friseur William Penhaligon seine idyllische Heimat im südwestlichsten Zipfel Englands und machte sich auf den Weg ins Herz der viktorianischen Welt, nach London. Dort fand er Anstellung im legendären Türkischen Bad an der Jermyn Street – einem Treffpunkt für fortschrittliche Ideen, alten Adel und große Politik, aber auch frequentiert von illustren Persönlichkeiten wie dem Schriftsteller Oscar Wilde oder dem Politiker David Lloyd George.

Die Geburt von „Hammam Bouquet“

Inspiriert von der Atmosphäre übernahm Penhaligon kurz darauf den angegliederten Barbershop – und gewann mit moderner Pflege und provokanten Düften die Gunst der Londoner Gentlemen. Mehr noch als der Zeitgeist faszinierten ihn jedoch die olfaktorischen Verlockungen des benachbarten Badehauses. Schon in Cornwall hatte er als Lehrling begonnen, mit duftenden Essenzen zu experimentieren. Nun gelang es ihm, als Mann mit schöpferischem Talent, den einmaligen Duft des Hammam in ein Parfum zu verwandeln. 1872 lancierte Penhaligon »Hammam Bouquet«, ein verführerischer Moschusduft, der bis heute in einer zeitgemäß formulierten Version im Sortiment des Hauses zu finden ist. Der Duft traf den Nerv seiner Zeit: sinnlich, suggestiv, modern, mit der Assoziation von warmer Haut und intimer Begegnung. Er begründete Penhaligons Ruf als Parfumeur. In seinem Nachruf -­ er starb 1902 – heißt es: »Seine Stärke war das Waschen von Haaren und die Herstellung von Parfum – beides nun in der Welt bekannt.« Die größte Ehrung seines Lebenswerks erlebte Penhaligon allerdings nicht mehr: Nur ein Jahr nach seinem Tod verlieh Königin Alexandra, Gemahlin von König Edward VII., seinem Sohn Walter Penhaligon das erste von vier Royal Warrants in der Geschichte des Hauses – den Titel des königlichen Hoflieferanten. Walters Duftdebüt »Blenheim Bouquet«, eine Auftragsarbeit für den damaligen Duke of Marlborough und mit seinen Zitrusnoten und schwarzem Pfeffer eine Hommage an britischen Gin, führte die Erfolgsgeschichte im 20. Jahrhundert fort. Es folgten ikonische Parfums, die die britische Seele ansprachen wie keine anderen Düfte – sei es das würzige Grün englischer Landschaften in »English Fern«, oder, später, die Anmut viktorianischer Gärten oder der Duft der englischen Bluebell, Lieblingsblume der Briten. Allesamt Gerüche, die tief im kollektiven Gedächtnis des Landes verankert sind.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine wechselvolle Zeit: das zweite Royal Warrant, Umzüge – und schließlich ein Dornröschenschlaf, aus dem Penhaligon’s erst Mitte der 1970er Jahre wieder erwachte. Eine neue, duftende Blütezeit folgte, mit einer Reihe floraler Kompositionen und einer weiteren Auszeichnung, diesmal durch den damaligen Prince of Wales. Spätere Besitzerwechsel führten letztlich zur Integration der Marke in das Portfolio des spanischen Duftkonzerns Puig im Jahr 2015. Dort wurde Penhaligon’s als Kreateur britischer Düfte neu positioniert und modernisiert und belohnt mit einem weiteren Royal Warrant in 2024.

„The Cut“: Eine Hommage an die Savile Row

Heute umfasst das Sortiment mehr als vierzig Düfte. Der neueste »The Cut« ist diesen Sommer erschienen und ist eine Referenz an die charakteristischste aller Londoner Straßen, die Savile Row. Ein Ort, der synonym für britische Schneiderkunst, scharf geschnittene Anzüge und extravagantes Dandytum steht. Tradition und Moderne liegen hier nah beieinander und werden in die Hauptnoten des Parfums übersetzt: Minze, Zypresse und Tanne, veredelt mit einem Hauch Lavendel, Salbei und Nuancen von Vetiver. So finden Mode und Parfum zu einer überraschenden Symbiose. Abgefüllt wird »The Cut« wie all seine Vorgänger in englische Glasflaschen mit Glasstöpsel und einer koketten Schleife am Flaschenhals. Das Etikett ziert eine Schere, Werkzeug der Wahl nicht nur für Schneider, sondern auch für Friseur und Barbier.

TEXT: Friederike Weissbach

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