
Man trägt heutzutage ja eigentlich kaum noch einfach nur ein Parfum. Wenn man den aktuellen Entwicklungen in der Haute Parfumerie ein wenig Beachtung schenkt, fällt ziemlich schnell auf: Es wird nun gelayert, gemischt und vor allem kuratiert. Der einfache Spritzer aus dem Flakon gilt vielen mittlerweile ja fast schon als etwas eindimensional. Stattdessen spricht man nun allenthalben von der sogenannten olfaktorischen Garderobe. Aber man muss sich hierbei durchaus einmal die Frage stellen: Geht es bei dieser Praxis eigentlich noch um den persönlichen Ausdruck?
Der Reiz des Layerings ist zunächst einmal leicht nachvollziehbar. Schließlich geht es darum, einen Duft individueller auf die eigene Haut und den persönlichen Geschmack abzustimmen. Es geht eben um Distinktion. Indem man beispielsweise ein eher kühles, erdiges Vetiver mit einem doch recht dominanten Oud oder vielleicht einer subtilen Feigen-Note überlagert, kreiert man quasi eine ganz individuelle Signatur. Das hat durchaus etwas von einer bewussten Kuratierung des eigenen Auftritts. Man gibt sich eben nicht mehr mit der fertigen Vision eines fremden Parfümeurs zufrieden, sondern wird schlichtweg selbst zum Maître.

Warum Marken auf Layering-Kollektionen setzen
Nüchtern betrachtet ist die Sache aber wohl noch etwas vielschichtiger. Denn rein wirtschaftlich gesehen ist Fragrance Layering für die Hersteller auch ein herausragend gutes Geschäft. Die Nischenparfümerie ist in den letzten Jahren ja ohnehin enorm gewachsen, aber irgendwann ist der Markt für einzelne Flakons jenseits der 250-Euro-Marke nun mal gesättigt. Wenn man der Kundschaft nun allerdings recht plausibel vermittelt, dass ein Duft allein eigentlich gar nicht mehr ausreicht, um wirklich „komplett“ zu sein, verschiebt sich die Dynamik. Aus einem Kauf werden dann recht schnell mal zwei oder drei.
Viele Marken bieten dafür mittlerweile auch ganz gezielt sogenannte Layering-Kollektionen an, deren Formeln ohnehin schon etwas reduzierter und linearer aufgebaut sind. Das heißt, die Düfte sind oft von vornherein genau so konzipiert, dass sie alleine vielleicht sogar ein wenig flach wirken könnten, im Verbund aber dann erst so richtig funktionieren. Das ist strategisch gesehen natürlich genial.
Der eigene Duft hat seinen Preis
Am Ende des Tages schließen sich die beiden Perspektiven ja aber gar nicht unbedingt aus. Das Layering ist durchaus eine legitime, recht anspruchsvolle Methode, um den eigenen Duft ein wenig feiner zu justieren. Gleichzeitig ist es eben auch eine unbestreitbar smarte Methode der Industrie, den durchschnittlichen Warenkorbwert mal eben ganz elegant zu verdoppeln. Wer bereit ist, für diesen kuratorischen Prozess entsprechend zu investieren, bekommt dafür einen ganz eigenen, exklusiven Duft.
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