
Das Programm der Salone del Mobile.Milano 2026 zeigt ziemlich klar, wohin sich die Messe entwickelt hat. Es geht längst nicht mehr nur um Möbel. Stattdessen ist daraus ein großes Design- und Kultur-Event geworden, das nicht nur auf dem Messegelände in Rho stattfindet, sondern sich auch über ganz Mailand verteilt.
Trotz dieser Öffnung bleibt das eigentliche Zentrum weiterhin die Messe selbst. In den Hallen treffen Besucher auf Installationen wie Aurea – an Architecture Fiction, entdecken Modeformate wie ABITO oder tauchen in Ausstellungen rund um Handwerk, Produktion und italienisches Möbeldesign ein. Dabei greifen die unterschiedlichen Disziplinen zunehmend ineinander – Design, Architektur und Industrie verschmelzen zu einem großen Ganzen. Gleichzeitig öffnet sich die Salone immer stärker nach außen. Auf der Piazza della Scala wird der Design Kiosk zu einem entspannten Treffpunkt für Magazine, Kreative und unabhängige Stimmen aus der Designszene. Sobald der Abend anbricht, verlagert sich das Geschehen in die Stadt: Formate wie Architectures of Freedom oder La Notte Bianca del Progetto ziehen Besucher in Ateliers, Archive und kleinere, oft versteckte Orte – und machen Mailand selbst zur Bühne.
Wohnen als Lifestyle

Wie fließend die Grenzen zwischen Mode und Interior inzwischen geworden sind, zeigt auch Giorgio Armani während der Design Week. Im Armani/Casa Store entsteht ein Raum, der weit über eine klassische Ausstellung hinausgeht. Neue Entwürfe treffen auf ikonische Stücke, alles wirkt bewusst komponiert und wie aus einem Guss. Die Gestaltung orientiert sich dabei an Armanis eigenen Wohnwelten: persönlich, ruhig und bis ins Detail durchdacht. So entsteht eine Atmosphäre, die weniger inszeniert wirkt, sondern vielmehr ein Gefühl von gelebtem Stil vermittelt.
Ein Garten in der Stadt

Deutlich lockerer präsentiert sich Gianni Chiarini Firenze. Für die Design Week verwandelt sich die Boutique in eine urbanen Garten. Zwischen Pflanzen, Keramik und Sitzgelegenheiten entsteht eine entspannte Szenerie, die zum Verweilen einlädt. Die Installation, entwickelt von Letizia dei Fiori in Zusammenarbeit mit Fornace Carbone, setzt auf natürliche Materialien wie Terrakotta, kombiniert mit Gräsern und kleinen Details wie Vasen oder Lichtakzenten.
Geschichte als Erlebnis

Gucci hingegen setzt auf große Inszenierung. Mit Gucci Memoria präsentiert das Haus, kuratiert von Demna, seine 105-jährige Geschichte, allerdings nicht in klassischer Ausstellungsform, sondern als immersives Erlebnis. In den Kreuzgängen von San Simpliciano verschmelzen Archive, Stoffe, Muster und florale Elemente zu einer begehbaren Erzählung. Besucher bewegen sich durch eine Art inszenierte Geschichte, in deren Zentrum ein Garten steht, der das ikonische Flora-Motiv neu interpretiert.
Prada Frames
Prada wählt bewusst einen anderen Ansatz. Mit Prada Frames – In Sight rückt nicht das Produkt, sondern der inhaltliche Austausch in den Mittelpunkt. Das von Formafantasma kuratierte Symposium widmet sich Themen wie Bildkultur, Wahrnehmung und digitaler Realität. Rund um Santa Maria delle Grazie entfaltet sich ein Programm aus Talks, Performances und Lesungen. Dabei stehen Fragen zu Algorithmen, Fotografie und visueller Kultur im Fokus. Stimmen aus Kunst und Theorie sorgen für eine ruhigere, reflektierte Perspektive und bilden damit einen spannenden Gegenpol zum oft spektakulären Markenauftritt der übrigen Design Week.
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