Matières Fécales: Die Show, die die Paris Fashion Week auf den Kopf stellte

99 Models, die Place de la République und eine Kollektion zwischen Punk, Couture und Performance. Matières Fécales hat am 28. September 2026 die Paris Fashion Week mit einer der ungewöhnlichsten Shows der Saison aufgemischt. Für Spring/Summer 2027 verließ das Designerduo Hannah Rose Dalton und Steven Raj Bhaskaran die klassischen Fashion-Week-Locations. Das Duo inszenierte die Show unter dem Monument à la République: einem Ort, der in Paris eng mit öffentlichen Demonstrationen verbunden ist.
99 Prozent statt 1 Prozent
Schon der Titel der Kollektion „Ninety Nine Percent“ setzt ein klares Zeichen. Nachdem die vergangene Show unter dem Namen „The 1%“ die Welt der Superreichen und Luxusindustrie satirisch aufgegriffen hatte, drehte Matières Fécales das Konzept nun um. Alle 99 Models der Show waren People of Color. Damit rückten Fragen nach Repräsentation und Sichtbarkeit in den Mittelpunkt.

Zwischen Punk, Couture und Protest
Auch die Kleidung selbst bewegte sich zwischen Extremen. Distressed Tailoring, Leder, Balaclavas, körperverändernde Accessoires und auch Death-Metal-Referenzen trafen auf dramatische Abendmode und aufwendig konstruierte Couture-Silhouetten. Die Show war in drei Akte unterteilt und entwickelte sich von familiären Referenzen über eine punkigere Protest-Ästhetik bis hin zu aufwendigen Couture-Looks.

Die Milliardäre auf den Schultern
Der wohl eindrücklichste Moment kam zum Finale: Models trugen lebensgroße Figuren von Milliardären auf ihren Rücken durch die Place de la République. Die grotesk wirkenden Figuren waren bereits Teil der vergangenen FW26-Kollektion „The 1%“ und kehrten nun als wiederkehrendes Motiv zurück. Während Matières Fécales damals die Welt der Superreichen und ihre Nähe zur Luxusindustrie ins Visier nahm, wurde das Bild für SS27 Teil einer Kollektion, die sich bewusst den 99 Prozent widmet. Die Models tragen die Vertreter des einen Prozents dabei buchstäblich auf ihren Schultern: ein absurdes und gleichzeitig ziemlich eindeutiges Bild für die Machtverhältnisse, mit denen sich die Kollektion auseinandersetzt.

Mode als Performance
Matières Fécales versteht die Fashion Show längst nicht als reine Präsentation von Kleidung. Persönliche Erinnerungen, religiöse Symbole, Punk- und Metal-Kultur sowie gesellschaftliche Themen wurden miteinander verbunden. Besonders im letzten Akt trafen traditionelle Textilien aus Varanasi und Burkina Faso auf voluminöse Couture-Kreationen. Ein Look wurde aus rund 300 Metern Tüll aufgebaut, während handgewebte Baumwolle aus Burkina Faso in Corsagen und Abendmode übersetzt wurde.

Mit „Ninety Nine Percent“ zeigt Matières Fécales damit einmal mehr, wie weit sich eine Fashion Show von klassischen Laufstegkonventionen entfernen kann. Zwischen radikalen Silhouetten, Couture-Handwerk und Performance wird Kleidung zum Ausdruck von Identität, Herkunft und Widerstand – und Paris für einen Moment zur Bühne für eine Mode, die bewusst anecken will.
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