Smoking Aesthetic: Warum Zigaretten plötzlich wieder „cool“ sind

Rauchen wirkte lange wie ein überholtes Lifestyle-Element – etwas, das ästhetisch kaum noch eine Rolle spielte und aus dem modernen Alltag weitgehend verschwunden war. In den letzten Jahren ging der Trend dann klar in eine andere Richtung: Clean-Girl-Ästhetik, Wellness und Self-Care standen im Fokus. Doch jetzt zeichnet sich ein neuer Wandel ab. In Social Media, Serien und Editorials taucht die Zigarette wieder auf – nicht als Laster, sondern als visuelles Statement.
Zwischen Nostalgie und Inszenierung
In der Disney+-Serie Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette wird Carolyn Bessette, gespielt von Sarah Pidgeon, immer wieder mit Zigarette inszeniert. Auch die Erfolgsserie Heated Rivalry greift diese kühle, reduzierte Ästhetik gezielt auf. Die Zigarette erscheint dabei nicht zufällig, sondern als bewusst gesetztes Detail – ein Accessoire, das Szenen eine gewisse Schwere und gleichzeitig Nonchalance verleiht.
Was hier entsteht, ist kein Zufall, sondern ein ästhetisches Revival. Schon Ende der 90er, etwa in Sex and the City, war Rauchen mehr als bloße Gewohnheit: Es stand für einen Lifestyle, der urban, frei und leicht rebellisch war.
Popkultur als Treiber des Trends
Besonders deutlich zeigt sich die Smoking Aesthetic aktuell in der Popkultur. Vor allem das viel diskutierte Vanity Fair-Cover mit Kylie Jenner inszeniert Rauchen ganz bewusst als Teil einer klaren, fast filmischen Bildsprache und verleiht dem Ganzen dabei eine leicht provokante Note. Auch Celebrities wie Schauspieler Hudson Williams tauchen immer wieder in Paparazzi-Aufnahmen mit Zigarette auf und verstärken so nach und nach dieses Bild eines scheinbar mühelosen Lifestyles.
Ästhetik vs. Realität
Dass diese Bildsprache weit über reine Inszenierung hinausgeht, zeigen aktuelle Zahlen: Acht der zehn für den Oscar 2026 nominierten Filme enthalten laut einer Analyse der Truth Initiative Darstellungen von Tabak oder Nikotin. Gleichzeitig geben 85 Prozent der 15- bis 24-Jährigen an, solche Szenen regelmäßig in den von ihnen konsumierten Inhalten zu sehen. Besonders relevant: 43 Prozent derjenigen, die mit dem Konsum aufhören möchten, berichten, dass genau diese Bilder es ihnen erschweren.
Was zuerst nur wie ein visuelles Detail wirkt, hat am Ende eine größere Wirkung. Wenn Rauchen wieder häufiger in Serien, Kampagnen oder auf Social Media auftaucht, wird es automatisch präsenter. Man sieht es öfter, man gewöhnt sich daran. Dadurch verschiebt sich auch die Wahrnehmung Schritt für Schritt. Gleichzeitig bleibt die Realität unverändert: Rauchen ist und bleibt eine gesundheitsschädliche Sucht. Und genau in diesem Gegensatz liegt das Problem.
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