
Bottega Veneta ist seit Jahrzehnten für seine Arbeit mit Leder bekannt. Das Intrecciato, das geflochtene Leder des Hauses, wurde bereits 1975 eingeführt. Heute geht es bei Bottega Veneta aber längst nicht mehr nur darum, Leder besonders hochwertig zu verarbeiten. Unter Matthieu Blazy und inzwischen Louise Trotter wurde das Material selbst zum Experimentierfeld.
Matthieu Blazy machte diese Idee während seiner Zeit als Creative Director besonders sichtbar. Gleich seine erste Kollektion für Herbst/Winter 2022 begann mit einem weißen Tanktop und einer Jeans. Was wie zwei gewöhnliche Basics aussah, bestand tatsächlich aus Nubukleder. Für Spring/Summer 2023 ging Blazy noch weiter. Kate Moss lief in einem karierten Hemd und Jeans über den Laufsteg. Auch hier täuschte der erste Eindruck: Das Hemd und die Hose waren aus Leder gefertigt. Zwölf Druckschichten waren nötig, um beim Hemd die Optik von kariertem Flanell nachzuahmen. Der Aufwand sollte also nicht unbedingt sofort sichtbar sein. Genau das machte diese Entwürfe interessant. Ein scheinbar alltägliches Kleidungsstück konnte zu einem Piece werden, dessen Wert erst beim genaueren Hinsehen verständlich wurde.

Louise Trotter führt das Experiment weiter
Seit Januar 2025 leitet Louise Trotter Bottega Veneta. Bei ihrer ersten Runway-Kollektion für Summer 2026 wurde schnell klar, dass Material und Handwerk auch unter ihr wichtig bleiben. Trotter zeigte Jacken und Röcke aus recyceltem Fiberglas, einem Material, das man eher aus technischen Bereichen kennt. Auf dem Laufsteg bekam es eine weiche, fast fellartige Oberfläche. Gleichzeitig entstand ein langes Cape aus Nappaleder mit Fransen, an dem laut Bottega Veneta rund 4.000 Stunden gearbeitet wurde.

Auch in ihrer Winter-2026-Kollektion spielte Trotter weiter mit der Frage, was ein Material zu sein scheint und was es tatsächlich ist. Seidenfäden erinnerten an lockiges Lammfell und echtes Lammfell wurde so bearbeitet, dass es wie Fox Fur aussah.
Mode, die man genauer betrachten muss
Blazy und Trotter haben unterschiedliche Handschriften. Trotzdem verbindet ihre Arbeit bei Bottega Veneta eine ähnliche Idee: Hochwertigkeit muss nicht durch ein Logo oder einen sofort erkennbaren Statuscode vermittelt werden. Stattdessen entscheidet immer häufiger das Material. Wie wurde es verarbeitet? Wie bewegt es sich? Und ist überhaupt auf den ersten Blick zu erkennen, woraus ein Kleidungsstück besteht? Gerade darin liegt eine interessante Entwicklung für die Luxusmode. Das Besondere steckt nicht zwangsläufig in dem, was sofort sichtbar ist.
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