Am Dienstagabend präsentierte Dior unter der Leitung von Jonathan Anderson die neue Ready-to-Wear Kollektion für Herbst und Winter — eine rundum kunstvolle Inszenierung französischer Modekunst.
Historische Kulisse mit Zeitgeist
Der Jardin des Tuileries im Zentrum von Paris ist ein wahrhaft königlicher Ort. Ursprünglich von Katharina de Medici in Auftrag gegeben, wurde die prächtige Anlage direkt neben dem Louvre später auf Wunsch von Ludwig XIV. neu gestaltet und 1667 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht — allerdings unter strenger Kleiderordnung. Besucher des Tuileriengarten waren angehalten, sich ausschließlich im „habit décent“ zu zeigen, also entsprechend der etablierten Hofkultur zu erscheinen. Denn der Sonnenkönig legte größten Wert auf geschmackvolles Auftreten, bei sich selbst ebenso wie bei seinen Untertanen. Bis heute spiegelt sich innerhalb der Gartenanlagen das lebendige Treiben der französischen Hauptstadt wider und offenbart dabei die ganze Vielfalt des berühmten Pariser Modestils, der weltweit bewundert und vielfach kopiert wird.
Eine durchdachte Inszenierung im Herzen der Stadt
Vor dem historischen Hintergrund der berühmten Gartenanlage und der kulturellen Signifikanz öffentlicher Räume hätte Dior kaum eine eindrucksvollere Kulisse für die Präsentation der Herbst/Winter-Kollektion 2026 wählen können. Eine Entscheidung, die von feinem Gespür für Symbolik und Atmosphäre zeugt. Gäste der Show nahmen rund um das Bassin Octogonal Platz: Überdimensionale, künstliche Wasserlilien schmückten den großen Eingangsteich des Parks und verströmten einen verträumten Hauch Claude Monet. Angesichts Monsieur Diors lebenslanger Verbundenheit zur Natur ein ebenso poetischer wie raffinierter Schachzug.
Andersons Vision von moderner Opulenz
„Sehen und Gesehenwerden“ — ein Anliegen, das bereits Ludwig XIV. und die Aristokratie seiner Epoche prägte — bildete das inoffizielle Motto des Runways. Entsprechend präsentierte Anderson theatralische, opulente und zugleich bemerkenswert zeitgenössische Kreationen. Zum Auftakt der Show trafen feine Strickjacken auf wolkig gebauschte Organzaröcke, kaskadenartige Spitzenkleider folgten auf gerüschte Belle-Époque-Minidresses mit spielerisch hüpfenden Schleppen, die über den Laufsteg zu schweben schienen. Königliche Brokatjacken mit stoffbezogenen Knöpfen erinnerten mit einem Augenzwinkern an die französische Bourgeoisie.
Pariser Nonchalance
Die formal elegante Gestaltung vieler Entwürfe wurde von einer raffinierten Nonchalance durchbrochen, wie sie nur in Paris zu finden ist. Kristallverzierte Jeans, überdimensionale Blumenapplikationen, großzügige florale Muster und Kleider in zarten Sorbetfarben stillten die Sehnsucht nach Unbeschwertheit. Zu athleisure-inspirierten Hosen aus gehämmerter Seide mit sportlichen Paspeln kombinierte Anderson fließende Seidenhemden, die die Models sanft umspielten — wie geschaffen für eine stilvolle Flanerie durch den Jardin des Tuileries.
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