
In den gehobenen Vierteln von London, Paris und New York lässt sich aktuell ein prägnantes Detail bei der Handhabung hochwertiger Lederwaren beobachten. Modelle wie die Hermès Birkin, die Kelly Bag oder die Margaux von The Row werden von ihren Besitzerinnen demonstrativ unverschlossen getragen. Was auf den ersten Blick wie ein Versehen wirkt, hat sich unter dem Begriff „Open Bag Trend“ als eigenständiger Stilcode etabliert. Die offene Handtasche funktioniert dabei als sichtbare Absage an das demonstrative Zurschaustellen von Gegenständen.
Die Ursachen für diese Entwicklung liegen in einer veränderten Haltung gegenüber materiellen Werten. Wer ein Objekt übermäßig schützt und sorgfältig verschließt, signalisiert ungewollt, dass dessen Wert eine relevante Größe im eigenen Alltag darstellt. Die unverschlossene Silhouette vermittelt hingegen, dass das Objekt primär als Gebrauchsgegenstand verstanden wird. Darüber hinaus setzt das offene Tragen im öffentlichen Raum ein hohes Maß an tatsächlicher oder gefühlter Sicherheit voraus. Der Gestus funktioniert nur in Umgebungen, in denen das Risiko von Entwendung oder Beschädigung zu vernachlässigen ist, etwa auf privaten Arealen, in exklusiven Clubs oder bei der Nutzung privater Transportmittel.
Historische Referenzen und moderne Adaption
Die optische Vorlage für diesen Umgang mit Lederwaren geht maßgeblich auf Jane Birkin zurück. Die Namensgeberin der bekanntesten Handtasche des Hauses Hermès nutzte ihr Modell stets ohne Rücksicht auf dessen Marktwert, füllte es übermäßig und verzichtete konsequent auf das Schließen der Schnallen.
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Weitere InformationenIn der Gegenwart greift eine neue Generation von Trägerinnen diese Form der Handhabung wieder auf. Das Offenlassen bricht die Strenge klassischer Zuschnitte und verleiht selbst formaler Kleidung eine bewusst unperfekte Komponente.
Psychologische Wirkung des neuen Stilcodes
Soziologisch lässt sich das Phänomen durch drei Faktoren erklären. Erstens signalisiert die Nachlässigkeit in der Handhabung eine Form von visueller Souveränität, die keine argumentative Bestätigung sucht. Zweitens deutet der Verzicht auf das Öffnen und Schließen von Riegeln auf eine kalkulierte Ersparnis von Zeit hin. Drittens wird der zufällige Einblick in das Innere der Tasche, von spezifischer Kosmetik bis zu persönlichen Gegenständen, zu einem weiteren, dezenten Bildelement.
Während das Verschließen einer Handtasche dem Schutz des Inhalts dient, drückt das Offenlassen eine formale Gleichgültigkeit gegenüber diesem Schutzbedürfnis aus. Es ist der Unterschied zwischen dem Verwalten eines Objekts und seiner beiläufigen Nutzung im Alltag.
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