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Grandseigneur der Düfte: Alberto Morillas

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Auf seine Nase ist Verlass: Alberto Morillas gehört seit rund vier Jahrzehnten zu den gefragtesten Parfumeuren. Cartier, Armani, Gucci, Bulgari, Kenzo –
die Big Names des Luxus vertrauen seinem Know-how. Regina Stahl traf den gebürtigen Spanier in Paris. Und schnüffelte sich durch sein Leben

Wonach duften Sie heute?
Nach „Virgin Violet“ aus der Kollektion „Alchemist’s Garden“ von Gucci.

Ist das nicht eigentlich ein Damenduft?
Ich sehe das nicht so eng. Warum sollten Veilchen nur Frauen vorbehalten sein? Ich mag auch Rosen. Oder Patschuli. Kommt ganz auf die Stimmung an. Und dass man sich auch als Mann mal etwas traut. Wissen Sie, ich bin ja in Sevilla geboren und aufgewachsen. Dort war es ganz selbstverständlich, dass sich Männer parfumieren. Und zwar nicht gerade zimperlich!

Vor fast 20 Jahren, genauer gesagt im Jahr 2000, haben Sie „Flower by Kenzo“ kreiert. Einen Duft, der seitdem ein Bestseller ist. Sie haben dafür die Aromen von Mandarine, bulgarischer Rose, Veilchen und weißem Moschus gemixt. Seit Februar gibt es die neue Variante „Eau de Vie“. Welchen Cocktail kredenze Sie uns dieses Mal?
Erneut bulgarische Rose, aber diesmal in Kombination mit Ingwerwurzel, Tonkabohne und Orangenblüte.

Nehmen Sie Menschen nach ihren Düften wahr? Können Sie sich noch erinnern, wonach Ihre Frau roch, als Sie sie zum ersten Mal trafen?
Als ich meine Frau Claudine kennenlernte – wir waren damals noch sehr jung, ich 17 und sie 18 –, bemerkte ich als Erstes ihre Augen: Blau mit etwas Grün darin. Später erzählte sie mir dann, dass sie sich mit „Ma Griffe“
von Carven parfumierte. Danach benutzte sie „L’Air du Temps“ von Nina Ricci. Und ich schenkte ihr dann „Azurée“ von Estée Lauder. Aber das war kein großer Erfolg, denn sie fand ihn viel zu intensiv.

Als Sie zehn waren, zogen Ihre Eltern mit Ihnen nach Genf. Nach dem Abitur beschlossen Sie, Parfumeur zu werden. Wie kamen Sie auf die Idee, so einen unge- wöhnlichen Beruf zu ergreifen?
Ich hatte in der französischen VOGUE ein Interview mit Jean-Paul Guerlain gelesen. Das fand ich spannend und inspirierend. Und da ja der internationale Duftstoff- Hersteller Firmenich seinen Hauptsitz in Genf hatte, bin ich dort vorstellig geworden und habe meinen Beruf sozusagen von der Pike auf gelernt. Formel für Formel, denn in meiner Branche lässt man sich zwar von der Natur inspirieren, aber die Resultate entstehen im Kopf. Dass es ein Jahr oder länger und weit mehr als tausend Versuche braucht, bis der perfekte Duft in den Flakon gefüllt werden kann, ist durchaus üblich. Ich bin übri- gens bis heute für Firmenich tätig und pendle ständig zwischen Genf, Paris und der ganzen Welt. Wenn ich mal eine Woche in meinem Haus in Genf bin, kommt es mir vor, als hätte ich Urlaub.

Welches war denn Ihr erstes Parfum?
Das war „Tendance“ von Marbert, 1978.

Seitdem haben Sie viele Düfte erschaffen. Haben Sieeinen Favoriten?
D a muss ich nicht lange überlegen. Das war „Must
de Cartier II“, 1993. Eine Ehre, für den legendären Juwelier an der Place Vendôme ein Parfum machen zu dürfen. Sehr besonders war auch der Duft „CK One“ für Calvin Klein, der ein Jahr später lanciert wurde. Ursprünglich wurde er nur in den USA verkauft. Meine Frau benutzte ihn, wir waren gerade in Paris, und sie wurde auf der Straße angesprochen, wonach sie riechen würde.

Haben Sie jemals für Ihre Frau einen eigenen Duft kreiert?
Nein, aber sie muss alle meine Versuche Probe tragen. Ich bin da ein ziemlicher Macho: Während ich durch- aus was von meinen Konkurrenten ausprobiere, möchte ich, dass die Haut meiner Frau ausschließlich mit Düf- ten von mir in Berührung kommt. Aber das war nie ein Thema. Mittlerweile sind wir fast 50 Jahre verheiratet, haben drei erwachsene Kinder und zwei Enkeltöchter. Und seit 40 Jahren immer zwei Jack-Russell-Terrier.

Sie erwähnten gerade Ihr Haus in Genf. Gibt es da einen Garten? Oder sind Blumen und Pflanzen für Sie privat tabu?
Wir leben etwas außerhalb von Genf in Vandœuvres. Mit Blick auf den See und auf den Montblanc.
Unser Garten ist eine kleine Inszenierung: Bäume und Sträucher in verschiedenen Grüntönen und dazwischen ausschließlich weiße Blumen. Um Ihre Frage vorweg- zunehmen: Weiß leuchtet auch nachts, besonders bei Vollmond. Rot oder Pink würde man nicht erkennen. Da ich inzwischen nicht mehr als fünf Stunden Schlaf brauche, erfreue ich mich gern an diesem Anblick.

Sie sind demnach ein Frühaufsteher. Wie gestalten Sie Ihren Tag?
Ich bin lange vor meiner Frau auf und setze mich – zumindest im Sommer – mit den beiden Hunden Heidi und Luna in den Garten. Ich liebe den Morgen. Trinke einen Espresso, checke, was sich so auf Instagram tut, lese Zeitungen oder ein Buch. So gegen 9.30 Uhr fange ich an, mich mit meinen Duftprojekten zu beschäftigen.

Sie sprechen von Duftprojekten, arbeiten also an mehreren gleichzeitig. Geht das denn?
Nur so bleibt die Nase lebendig. Es wäre langweilig, nur an einer Formel zu arbeiten.

Sie sind ja viel in der Welt unterwegs – wir beide haben uns bereits auf Duftpräsentationen in Indien und Bulgarien getroffen. Haben Sie eine Lieblingsstadt?
Definitiv London. Paris finde ich langweilig und New York übt auf mich längst nicht mehr die Faszination von früher aus. Die ewigen Wolkenkratzer, alles sieht gleich aus. London dagegen brodelt, ist traditionell und exotisch zugleich. Tolle Galerien, Restaurants, Geschäfte. Da ich in einer Stadt erst einmal spazieren gehe – das kann bis zu zwei Stunden dauern – genieße ich es, hier auf Entdeckungsreise zu gehen.

Ihr Lieblingshotel?
Das Claridge’s in Mayfair, das schon seit 1854 existiert. Ein sympathischer Luxus.

Klingt nach Genuss. Essen Sie gern?
Ich bin ein bekennender Snob. Ich liebe Kaviar. Und zwar nicht aus der kleinen Dose. Nur mit einer Kartoffel, ohne Zitrone, Ei oder Crème fraîche. So pur wie möglich.

Sie kreieren ja sehr viele Düfte für Fashion-Designer. Wie wichtig ist Mode für Sie?
Ich ziehe sehr gern Sakkos an. Ein kompletter Anzug ist mir zu konventionell, aber Sakkos sind großartig. Ich lasse sie mir meistens bei Harrison im 16. Arrondissement in Paris machen. Im Winter trage ich gern auch mal Trachtenjanker. Dazu ausschließlich weiße Oberhemden.

Apropos Maßarbeit: Haben Sie mal ein Parfum auf Bestellung kreiert?
Oh ja, für Farah Pahlavi, die ehemalige Kaiserin von Persien. Es sollte nach Tuberose und Safran riechen. Das waren Düfte, die sie mit ihrer früheren Heimat verband.

Photocredit: Daniele Duella