
Bei Haarpflege geht es vielen von uns vor allem um die Längen. Shampoo, Conditioner und Masken werden dafür genutzt, um den Schopf zu revitalisieren. Bekanntes Programm. Inzwischen schaut man immer öfter aber auch auf die Kopfhaut. Der Stichwort lautet Scalp Longevity.
Gemeint ist im Grunde eine langfristige Pflege der Kopfhaut. Sie soll gute Bedingungen für das Haarwachstum erhalten und möglichst früh auf Veränderungen reagieren, die mit Alter, Umweltstress oder Entzündungen zu tun haben. Ganz neu ist das Prinzip also nicht. Neu ist vielmehr, dass Begriffe aus der Skincare nun auch auf die Kopfhaut übertragen werden. Hautbarriere, oxidativer Stress, Mikrobiom und UV-Schutz sind dabei nur einige Beispiele.
Die Kopfhaut altert mit
Was viele nicht wissen: Auch die Kopfhaut altert. Wir merken es meistens nur viel später als im Gesicht. Die Kopfhaut kann trockener werden, weniger Talg produzieren und empfindlicher auf äußere Reize reagieren. Gleichzeitig verändert sich auch der Haarfollikel. Wachstumsphasen werden kürzer, Haare wachsen feiner nach und die Pigmentproduktion lässt nach. Daneben spielen auch Genetik, Hormone, Entzündungen, oxidativer Stress und vermutlich eine nachlassende Aktivität bestimmter Stammzellen im Haarfollikel eine Rolle.
Warum das Mikrobiom wichtig wird
Ein weiterer Begriff, der im Zusammenhang mit Scalp Longevity und Pflege immer wieder erwähnt wird, ist das Mikrobiom. Auf der Kopfhaut leben Bakterien und Hefen, ganz normale Mitbewohner unserer Haut. Vermehren sich einzelne Arten aber zu stark oder werden andere verdrängt, kann das unter anderem Schuppen, Juckreiz und Entzündungen begünstigen. Die Forschung dazu ist allerdings noch nicht besonders weit. Es ist bisher nicht klar, was Ursache ist und was eher Folge einer gereizten Kopfhaut. Aussagen wie „balanciert das Mikrobiom“ sollte man deshalb eher als Marketing lesen. Nicht als medizinischen Befund.
Was Pflege leisten kann
Trotzdem ist Kopfhautpflege sinnvoll. Milde Reinigung entfernt Talg, Schweiß und Stylingrückstände. Feuchtigkeit kann trockene Haut beruhigen, Niacinamid oder Ceramide können die Hautbarriere unterstützen. Und wenn der Scheitel freiliegt, ist Sonnenschutz durchaus sinnvoll. Vor allem dann, wenn das Haar schon dünner wird und die Kopfhaut mehr Sonne abbekommt als ihr lieb ist.
Ehrlich muss man aber sein: Was Produkte für Scalp Longevity nicht können, ist den Haarfollikel einfach zu resetten. Genetisch bedingter Haarausfall, hormonelle Ursachen oder Erkrankungen lassen sich mit einem Kopfhautserum nicht wegpflegen. Wenn der Haarverlust plötzlich stark ist, kahle Stellen auftauchen oder Schmerzen und anhaltender Juckreiz dazukommen, sollte man das ärztlich abklären lassen.
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