
Wer in der ersten Reihe bei RM Sotheby’s in Monterey sitzt oder sonntagmorgens den Kies der Villa d’Este betritt, weiß: Die eigentliche Kür bei diesen Anlässen ist nicht der Erwerb eines Ferrari 250 GT SWB für acht Millionen Euro. Es ist die Kunst, dabei so auszusehen, als sei man rein zufällig auf dem Weg zum Bäcker in diese Veranstaltung gestolpert. Die alte Garde der Sammler hüllte sich in wuchtige Tweed-Sakkos oder steife Zweireiher, während die Neureichen heute in von Logos übersäten Kapsel-Kollektionen erscheinen. Beides ist für den Connaisseur von heute obsolet. Die zeitgemäße Garderobe für das automobile oder kunsthistorische Triptychon aus Concours, Auktion und Dinner verlangt ein Höchstmaß an strategischem Understatement und ein tiefes Verständnis für Texturen, Klimazonen und soziale Codes.
Dresscode beim Concours
Beginnen wir mit dem Concours d’Elegance. Ob Pebble Beach, Amelia Island oder der Hampton Court Palace: Man verbringt Stunden auf unebenem Terrain, oft bei unberechenbarem Wetter. Das traditionelle Club-Sakko mit Messingknöpfen wirkt hier schnell wie das Kostüm eines alternden Yacht-Kapitäns. Die Lösung liegt im sogenannten „Soft Tailoring“. Ein unstrukturiertes Sakko aus einer Leinen-Seiden-Mischung, idealerweise von neapolitanischen Meistern wie Rubinacci oder Cesare Attolini, die Preise ab 3.500 Euro aufrufen, bietet die nötige Form, ohne einzuengen. Die Seide verhindert das exzessive Knittern von reinem Leinen, ein Fakt, den Vielflieger zu schätzen wissen. Dazu kombiniert man eine leicht konisch geschnittene Chino aus gewaschener Baumwolle. Und die Füße? Der klassische Car-Shoe mit Noppensohle ist längst ein Klischee geworden. Wer auf nassem englischen Rasen steht, greift besser zu einem rahmengenähten Chukka-Boot aus Rauleder mit einer dezenten Dainite-Gummisohle, etwa von Edward Green. Das ist nicht nur eleganter, sondern bewahrt einen auch vor nassen Füßen, während man die Linienführung eines Bugatti Type 57 diskutiert.
Was man zur Auktion trägt
Der Übergang zur Auktion am Nachmittag erfordert eine subtile psychologische Anpassung. Ein Auktionssaal ist ein Schlachtfeld im Samtgewand. Hier geht es um Dominanz, die jedoch nie laut geäußert werden darf. Wer im Saal bietet und nicht anonym über einen Repräsentanten am Telefon, kleidet sich für den Respekt des Auktionators, nicht für das Publikum. Ein leichter, grauer Tropical-Wool-Anzug, ein offenes, hellblaues Popeline-Hemd und ein Einstecktuch, das den Farbton der Augen aufnimmt, signalisieren unaufgeregte Solvenz. Schmuck? Weniger ist mehr. Die Uhr ist ohnehin das wichtigste Erkennungszeichen im Raum. Ein Vintage-Chronograph von Patek Philippe, wie die Referenz 1463, schlägt jede diamantbesetzte Neuerscheinung. Sie zeigt, dass man Historie schätzt, eine Tugend, die bei Kunst- und Autosammlern als Währung gilt.
Der Look für das Dinner
Wenn sich am Abend die Garagentore schließen und die geladenen Gäste zum Private Dinner in ein nahegelegenes Château oder ein angemietetes Sternerestaurant weiterziehen, ändert sich der Dresscode ein letztes Mal. „Black Tie“ wird auf den Einladungen heute oft mit dem Zusatz „Creative“ oder „Relaxed“ versehen. Das ist eine Falle. Wer hier im schwarzen Standard-Smoking aus dem Kaufhaus erscheint, degradiert sich selbst zum Kellner. Die souveräne Antwort auf diesen hybriden Code ist das Velvet Jacket, eine Smokingjacke aus dunkelgrünem, nachtblauem oder burgunderrotem Samt. Dazu eine schwarze Hose mit Galonstreifen und Albert Slippers aus Samt. Huntsman in der Londoner Savile Row fertigt solche Jacken ab circa 5.000 Pfund bei einer Wartezeit von sechs Monaten. Im Kerzenlicht entwickeln sie eine unnachahmliche Tiefe. Man ist korrekt gekleidet, strahlt aber die Lässigkeit eines Gastgebers aus, der in seinen eigenen Privatgemächern weilt.
Am Ende ist die Garderobe des Sammlers wie seine Sammlung selbst: Sie bedarf der Kuration.
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