
Menswear muss nicht immer oversized sein, auch wenn Volumen lange als typisch maskuliner Code galt. Figurbetonte Schnitte erleben gerade ein Comeback: Während Caprihosen in der Womenswear zurückkehren, wird auch die Männermode mit Skinny Jeans und Skinny Suits wieder figurbetonter. Die 2010er sind wieder zurück, so scheint es auf jeden Fall.
Lange Zeit diktierte ein einziges Prinzip die Männermode: Je enger, desto cooler. Die Wurzeln dieses Slim-Fit-Kults reichen von der britischen Mod-Bewegung der 1960er-Jahre bis zu Hedi Slimanes Entwürfen für Dior Homme Anfang der 2000er-Jahre. Was zunächst avantgardistisch und rebellisch wirkte, entwickelte sich im darauffolgenden Jahrzehnt zum alltäglichen Einheitslook. Die schmale Silhouette war schließlich überall zu sehen und verlor dadurch zunehmend ihren Reiz. Streetwear, Sportswear und ein wachsendes Bedürfnis nach bequemeren Schnitten lieferten den Gegenentwurf. Weite Hosen, Jacken und locker sitzende Anzüge boten mehr Bewegungsfreiheit und bildeten einen klaren Kontrast zum körpernahen Look der Jahre zuvor.
Ist Skinny der neue Recession Indicator?
Doch warum kehrt die schmale Silhouette ausgerechnet jetzt zurück? Immer mehr Männer setzen wieder auf figurbetonte Schnitte und klar definierte Proportionen. Ist diese Entwicklung etwa ein Recession Indicator? Die Frage lässt sich derzeit noch nicht beantworten. Austin Butler zeigt in der Fall-2026-Kampagne von Saint Laurent jedoch bereits, wie das Comeback aussehen kann: mit einem schmal geschnittenen braunen Ledersakko und einer braunen Nadelstreifenhose, die die Rocker-Ästhetik früherer Jahrzehnte wieder neu aufleben lässt.
Skinny Fit auf dem Runway


Dass der Skinny Fit auf den Runway zurückkehrt, verdeutlicht kaum eine Kollektion so gut wie Prada für Frühjahr/Sommer 2027. Die Looks demonstrieren, dass ein schlankerer Fit durch kluge Proportionen modern inszeniert werden kann. Diese Entwicklung wird von weiteren tonangebenden Häusern getragen. Ob Jonathan Anderson bei Dior, Gucci oder Thom Browne: Verkürzte Sakkos und schmale Hosen gewinnen international wieder an Bedeutung.
Figurbetont bedeutet heute aber nicht zwangsläufig hauteng. Die neue Skinny-Silhouette entsteht nämlich durch Kontraste und ein bewusstes Spiel mit Proportionen. Eine schmale Hose trifft auf betonte Schultern, eine kurze Jacke hebt die Taille hervor oder ein figurbetontes Sakko wird mit einem weiteren Hosenbein kombiniert. Entscheidend ist nicht maximale Enge, sondern ein Schnitt, der flexibel mit dem männlichen Körper arbeitet. Darin unterscheidet sich das aktuelle Comeback vom starren Einheitslook der 2010er-Jahre.
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