FKA Twigs im Porträt: New Dimension - séduction Magazin Germany
KULTUR

FKA Twigs im Porträt: New Dimension

Von Redaktion 11/07/2026
Ein künstlerisches Bild/Cover von der britischen Sängerin FKA twigs.
Credit: Jordan Hemingway/PR
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Kommt FKA twigs direkt aus der Zukunft? Oder will uns die Britin mit ihren genresprengenden Klängen in ein sinnliches und riskantes Paralleluniversum führen?

Cybersex und fluides Begehren, das Verschmelzen mit anderen im Rhythmus der Beats und in der körperlichen Vereinigung, eine physisch-spirituelle Utopie. Spricht man von FKA twigs, muss man auch von Sex sprechen. Sie tut es selbst. Die Philosophie ihrer beiden jüngsten Alben „Eusexua“ und „Eusexua Afterglow“ aus dem vorigen Jahr beschreibt sie so: „Eusexua ist ein Seinszustand. Ein Gefühl momentaner Transzendenz, das oft durch Kunst, Musik, Sex und Einssein hervorgerufen wird. Eusexua kann von einer Welle der Glückseligkeit und einem Gefühl unbegrenzter Möglichkeiten begleitet sein… Eusexua ist der Moment kurz vor einem Orgasmus. Eusexua ist, wenn du im Liebesspiel mit einer völlig fremden Person versinkst, eins mit ihr wirst. Eusexua ist, wenn du die Zeit vergisst, während du dich auf dem Dancefloor treiben lässt. Eusexua ist der kreative Schub, der die Geburt einer Idee begleitet.“ FKA twigs wagt sich vor, in einem Gebiet Neues und Wahres zu suchen, das vollgestellt ist von Bildern und Klischees über sexuelle Rollen und zudem vermint durch Missbrauch und Machtgefälle und Kämpfe um Deutungshoheit.

«EUSEXUA AFTERGLOW» ist eines der beiden aktuellen Alben von FKA twigs, Credit: PR

Eigentlich müsste sie die berühmteste Popmusikerin der Gegenwart sein. Gut, vielleicht zusammen mit Rosalía und Beyoncé. Ja, sie trat bei der Met Gala auf, füllt Hallen, wie jetzt das Velodrom in Berlin, wo sie am 12. Juni beim einzigen Deutschlandstopp den Abschluss ihrer „Body High Tour“ feiert. Doch für die Massen, die Adele oder Taylor Swift in Stadien ziehen, ist FKA twigs Werk zu radikal, zu fremd, zu dunkel, zu ambivalent, zu intim, zu sexuell. Ihre hohe Stimme scheint Ultraschallfrequenzen zu streifen, klingt aber nie schrill, dafür ätherisch, euphorisch, elegisch, gebieterisch, auch mal samtig aufgeraut, und kindlich unschuldig nur dann, wenn die Persona eines Songs es verlangt. Ist das Dance-Pop? Ja, aber durchzogen von harten und kalten Industrial Sounds, dann wieder filigran und zart, leicht, warm, elegant schwebend, emotional, dramatisch und immer unerwartet, futuristisch und experimentell. All das oft in ein und demselben Stück. Im Kopf entstehen beim Zuhören so Bilder und Echoräume, die einen eigenartigen Sog entwickeln. Doch wirklich gedacht sind diese Stücke für Clubs, ihre volle Macht entfalten sie auf dem Dancefloor, in der Bewegung: Körpermusik.

Geboren wurde FKA twigs 1988 als Thaliah Debrett Barnett in Tewkesbury im ländlichen britischen Gloucestershire. Ihr Vater stammt aus Jamaika, die Mutter hat spanische Wurzeln. Früh lernte sie tanzen, begann mit 16 aber auch schon Songs zu schreiben. Mit 17 ging sie nach London um als Tänzerin zu arbeiten. Das sieht man ihren Videos bis heute an. Ihre Körperbeherrschung ist erstaunlich, ihre Art zu tanzen ist intensiv, expressiv, manchmal beängstigend und schockierend – und meilenweit entfernt von den Posen und Routinen anderer Sängerinnen. Als FKA twigs ab etwa 2012 erste Musik veröffentlichte herrschte Verwirrung. So experimentelle und zugleich unverhohlen sinnliche Klänge kannte man nicht. Kritiker verpassten ihrer Musik Labels R&B oder Soul, einfach weil sie eine Woman of Colour war. Dagegen wehrte sie sich, lehnte die Zuschreibungen rassistisch ab.

Konflikte scheut sie nicht. 2020 verklagte sie ihren Ex-Partner, den Schauspieler Shia LaBeouf wegen sexueller Gewalt. Und 2024 wehrte sie sich dagegen, dass in England ein Plakat von Calvin Klein mit ihr als Model verboten werden sollte, da es „übermäßig sexualisiert“ und „beleidigend“ und sie als „stereotypes Sexobjekt“ darstelle. FKA Twigs wollte sich aber nicht bevormunden lassen nannte das Plakat „ein wunderschönes, starkes Kunstwerk“, und äußerte sich stolz auf ihren Körper.

Diese selbstbewusste Renitenz zieht sich auch durch ihre Musik und ihre Videos. FKA twigs reproduziert keine Klischees von Unschuld, Vamp, weiblicher Unterwerfung oder Dominanz, doch Sex ist bei ihr auch kein Safe Space, sondern eine riskante Entscheidung, eine Grenzerfahrung oder eine entgrenzende – ohne Triggerwarnung. Und damit steht sie letztlich auch quer zu beschützenden, verharmlosenden und manchmal eben auch bigotten Lebenslügen.

Wahrscheinlich wird FKA twigs so nicht die berühmteste Musikerin der Gegenwart werden, vielleicht aber die berühmteste der Zukunft oder die eines herausfordernd sinnlichen Paralleluniversums. Einen Blick in FKA twigs sexuelle Utopie kann man am 12. Juni bei ihrem Konzert in Berlin werfen.

Text von: Bernd Skupin

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