Jacob Elordi: Ganz schön intensiv - séduction Magazin Germany
KULTUR

Jacob Elordi: Ganz schön intensiv

Von Christina Bylow 03/04/2026
Credit: Netflix
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Verdammt gut aussehend. Verdammt smart. Das kann zur Falle werden. Wurde es aber nicht. Der australische Schauspieler Jacob Elordi hat es in die Liga der Charakterdarsteller geschafft. Mit Rollen, die über Grenzen gehen. Und dabei tief berühren.

Die Gestalt ähnelt einem riesenhaften Polarbären. In zottelige Fetzen gehüllt, brüllend wie ein waidwundes Ungeheuer und im Besitz unermesslicher Kräfte, bringt das Monster eine Galeere mit einem einzigen Schlag in Schieflage, schleudert Seeleute wie Spielzeugfiguren in die Weiten der Arktis. Pure Gewalt, verkörpert von einem Schauspieler, der als Mädchenschwarm in einer romantischen Teeniekfomödie erste Erfolge feierte: Jacob Elordi. Für seine Verkörperung des Monsters in »Frankenstein« von Regisseur Guillermo del Toro wurde er im Januar 2026 für einen Oscar nominiert – in der Kategorie Bester Nebendarsteller. In Wahrheit aber ist Elordi das wilde Herz dieser gigantischen Netflix-Produktion. Selbst wenn er einmal nicht im Bild ist – seine Anwesenheit bleibt spürbar, so stark wirkt seine Aura auch im Kreis herausragender Schauspieler wie Oscar Isaac, Christoph Waltz und Mia Goth.

Credit: Netflix

Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich der 28-jährige Australier von seinen Anfängen als Herzensbrecher so weit entfernt wie nur irgend möglich. Statt seine Attraktivität einzusetzen, verfremdet er sie in »Frankenstein« bis zur Unkenntlichkeit. Doch aus einer den ganzen Körper umfassenden Maske, die aus 42 Silikonprothesen bestand, leuchten Elordis unveränderliche Kennzeichen: seine Augen. Sie sind tief, zugewandt, voller Sehnsucht – und zugleich unendlich schutzlos. Regisseur Guillermo del Toro sagt:  »Es sind die Augen eines Schauspielers, die seinen Charakter ausmachen. Ich caste Augen, und wenn man Unschuld haben möchte, dann braucht man Jacobs Augen.«

Monströse Leistung: Jacob Elordi als Kreatur von Frankenstein im gleichnamigen Netflix-Film, der Mary Shelleys Roman neu interpretiert. Sein Spiel wurde mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt, Credit: Netflix
Credit: Netflix

Ohne Frage ist Elordis Darstellung dieses Geschöpfs, das Mary Shelley in ihrem 1818 veröffentlichten Frankenstein-Roman in die Weltliteratur einführte, so vielschichtig wie klug. Elordi wusste: Hier geht es um Schmerzen. Solche der Einsamkeit, der Verlassenheit, der extremen Erschöpfung, um seelischen Schmerz, der sich dem Körper einschreibt. Unmittelbar vor »Frankenstein« hatte Elordi die Kriegsdrama-Serie »The Narrow Road to the Deep North« gedreht, in der er einen in Gefangenschaft geratenen Militärarzt spielte. Für diesen Part musste er viel Gewicht verlieren, eine Prozedur, die er als »zermürbend« empfand. Gegenüber der »Los Angeles Times« sagte Elordi: »Ich hatte diese Momente tiefster Qualen gegen drei Uhr morgens. Ich wachte auf und mein Körper war in solchen Schmerzen. Und mir wurde klar, dass das ein Segen für ›Frankenstein‹ war, weil ich diese Gefühle, dieses Leiden ausdrücken konnte.«

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Sicher, inzwischen reden alle von »Wuthering Heights«, der gerade im Kino angelaufen ist. Viel wird darüber spekuliert, ob Jacob Elordi und Margot Robbie als tragisches Liebespaar Catherine und Heathcliff mehr miteinander verbindet als nur eine intensive Arbeitsbeziehung und die australische Herkunft: das Ergebnis eines Marketings, das weniger den Film als die beiden Stars in den Fokus rückte. Der Februar-Ausgabe der australischen »Vogue« etwa lieferten Jacob Elordi und Margot Robbie (»Barbie«) einen glamourösen Foto-Roman, inszeniert in den Hügeln Hollywoods und in einer Suite des Hotels »Chateau Marmont«. Die Bildstrecke und der lapidare Pingpong-Wortwechsel der beiden Darsteller stecken voller Andeutungen und Referenzen an die goldenen Zeiten Hollywoods mit Lovestorys à la Elizabeth Taylor und Richard Burton. Und nicht zufällig trug Margot Robbie zur Premiere einen herzförmigen Taj-Mahal-Diamanten aus der Schmuckkollektion von Elizabeth Taylor – einst ein Geschenk Richard Burtons. »Pure Obsession«, titelte die australische »Vogue«. Doch die Geschichte einer Obsession entsteht in der Fantasie. Denn Jacob Elordi verkörpert in dieser Inszenierung ein Wunschbild: einen verdammt gut aussehenden Mann an der Seite einer schönen Frau, nicht umgekehrt. Er lässt ihr den Vordergrund der Bühne, hält sie, ohne etwas zu fordern, wirkt immer ein wenig selbstversunken und ist doch nah bei ihr. Der Bottega Veneta-Anzug (er ist seit 2024 Botschafter des Labels), das halboffene Hemd, Schmuck von Cartier (Ohrringe, Halskette und Armreif): Das gesamte Styling betont Elordis gelassene Maskulinität, die das Feminine selbstverständlich integriert. Um die literarischen Figuren Heathcliff und Catherine – von Emily Brontë in ihrem 1847 erschienenen Roman »Wuthering Heights« verewigt – geht es im Smalltalk der beiden »Queenslander«, wie sie einander nennen, so gut wie nicht. Dafür um Elordis Bart, Robbies Kostüme und ein Zimmer voller Rosen, eine Geste Elordis für seine Filmpartnerin, am Valentinstag.

Jacob Elordi gehört nun mal nicht zu den Schauspielern, die ihre Rollen mit wortreichen Erklärungen und Einblicken in die eigene psychische Verfassung umgeben. Das mag mit seinem Aufwachsen in einer bodenständigen Familie zu tun haben. Der Vater, im Alter von acht Jahren mit seiner Familie aus dem spanischen Baskenland eingewandert, ist Handwerker, die Mutter arbeitete in einer Schulkantine, Jacob hat zwei Schwestern. Seine Freude am Theaterspielen und an Musicals entdeckte er während seiner Schulzeit in Brisbane. Mit 15 Jahren wusste er schon, dass er Schauspieler werden will, und verfolgte sein Ziel konsequent und leidensfähig. So zog er als Neunzehnjähriger in die USA, nach Los Angeles, schlief in seinem 2004er-Mitsubishi auf dem Mulholland Drive oder bei Freunden auf der Couch. Unbezahlte Auftritte, eine endlose Reihe von Auditions, dann der erste Coup mit der romantischen Komödie »The Kissing Booth«, die er mittlerweile als »lächerlich« bezeichnet, gefolgt von einer Kehrtwende in der Rolle eines abgefeimten Highschool-Narzissten namens Nate Jacobs in der drogengesättigten HBO-Serie »Euphoria«. Da schimmert schon durch, was ihn wirklich reizt: ambivalente Charaktere, die fähig sind, ihre Umgebung zu manipulieren, Troublemaker mit hoher Anziehungskraft. Solche, die Rache nehmen für erlittene Traumata und Misshandlung, ihre helle und dunkle Seite in unvorhersehbarem Wechsel ausleben.

Am 13. April kommt die dritte Staffel der Serie heraus. Elordi ist wieder dabei, der Trailer zeigt ihn auf einer Baustelle und im Streit mit seiner Verlobten. Ob Nate Jacobs als junger Erwachsener nun etwas friedlicher geworden ist, wird sich zeigen. Sein Elvis in der großen Kinoproduktion »Priscilla« (2023) von Sofia Coppola war ebenfalls ein von den eigenen Dämonen dominierter Charakter. Jacob Elordi spielte den King of Rock and Roll als Grenzgänger zwischen kindlicher Liebesbedürftigkeit, Kontrollwahn und Selbstzerstörungswut. Eine Glanzleistung, auch weil er eines immer hervorrufen kann: die Empathie des Zuschauers, der bereit ist, der jeweiligen Figur in ihre Abgründe zu folgen. Elordi arbeitet mit den interessantesten Regisseurinnen und Regisseuren der amerikanisch-angelsächsischen Hemisphäre. Gleich zweimal war es die britische Regisseurin Emerald Fennell, die Elordi als verlorenen Adelsspross in »Saltburn« besetzte und ihn nun zwingend in der Rolle des Heathcliff sah. Dafür wurde sie kritisiert, schließlich sei Heathcliff vermutlich ein Schwarzes Findelkind gewesen. Fennell reagierte unbeeindruckt: Jacob Elordi sehe exakt so aus wie die Illustration auf der ersten Ausgabe von »Wuthering Heights«, die sie gelesen hatte. »Er hat es«, sagte sie. »Er ist ein sehr überraschender Schauspieler.« Ab 27. August wird Jacob Elordi im postapokalyptischen Thriller »The Dog Stars« im Kino zu sehen sein. In der Rolle eines Piloten, der in der Wüste zu überleben versucht. Regisseur Ridley Scott soll seinen Hauptdarsteller auf ganz eigenwillige Art gelobt haben: Nach einer Szene, erzählte Elordi in einem Interview, habe ihm Scott auf die Schulter geklopft und gesagt: „Fuck me, man, you’re all right.

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