
Antwerpen, New York, London: Drei Städte, vier Modeausstellungen, die im Sommer 2026 einen Besuch wert sind. Im MoMu Antwerpen stellt The Antwerp Six die einflussreichen belgischen Modedesigner vor, im International Center of Photography zeigt Yves Saint Laurent and Photography, wie die Bildwelt des Couturiers zum Vorbild für moderne Modefotografie wurde – von Magazinen bis Instagram. Das Brooklyn Museum widmet sich mit Iris van Herpen: Sculpting the Senses einer modernen Haute-Couture-Koryphäe, deren Looks immer wieder Mode mit Naturwissenschaften verbinden, und im V&A South Kensington erzählt Schiaparelli: Fashion Becomes Art von Elsa Schiaparelli und ihrer Connection zum Surrealismus. Für Fashionistas sind diese Ausstellungen ein Must-visit.
MoMu Antwerpen: The Antwerp Six
Im MoMu können Besucher derzeit The Antwerp Six sehen – die erste große Ausstellung, die den sechs belgischen Designern Dirk Bikkembergs, Ann Demeulemeester, Walter Van Beirendonck, Dries Van Noten, Dirk Van Saene und Marina Yee gemeinsam gewidmet ist. Alle studierten an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen, bevor sie eigene Labels gründeten. 1986 reisten sie gemeinsam zur British Designer Show nach London, wo sie ihre Kollektionen einem internationalen Publikum präsentierten. Dieser Auftritt brachte Antwerpen internationale Aufmerksamkeit als Fashion-Metropole. Dries Van Noten ist heute wohl der bekannteste Name der Gruppe, auch wenn er sich 2024 aus der kreativen Leitung seines Labels zurückgezogen hat. The Antwerp Six rückt nun auch die anderen fünf Designer in den Mittelpunkt und zeigt, wie groß ihr Einfluss auf die internationale Mode war. Viele ihrer Labels existieren bis heute, allerdings nicht immer unter der kreativen Leitung ihrer Gründer: Ann Demeulemeester und Dirk Bikkembergs bestehen als Marken weiter, Walter Van Beirendonck führt sein eigenes Label noch selbst, Marina Yee arbeitet wieder unter ihrem eigenen Namen, und Dirk Van Saene ist weiterhin unabhängig tätig.
International Center of Photography, New York: Yves Saint Laurent and Photography
Im International Center of Photography in New York läuft derzeit die Ausstellung Yves Saint Laurent and Photography. 1962 präsentierte Yves Saint Laurent gemeinsam mit seinem Partner Pierre Bergé seine Debütkollektion und nur vier Jahre später schrieb er mit dem legendären „Le Smoking“ Modegeschichte. Die New Yorker Schau ist jedoch weit mehr als eine Retrospektive über den berühmten Hosenanzug, der die Damenmode nachhaltig veränderte und den Designer weltberühmt machte. Stattdessen zeigt die Ausstellung, wie das Duo die Bildsprache der Modefotografie bis heute beeinflusst hat. Fast 300 Arbeiten von Fotografen wie Avedon, Newton, Penn, Bourdin, Leibovitz und Warhol treffen hier auf Kontaktbögen, Atelier-Polaroids und unveröffentlichtes Kampagnenmaterial. Sie machen sichtbar, wie genau Yves Saint Laurent, Pierre Bergé und ihre Fotografen an Bildern arbeiteten und wie daraus eine visuelle Sprache entstand, die die Modefotografie bis heute beeinflusst. Die Maison selbst wird seit 2016 von Anthony Vaccarello geleitet, der die Ästhetik des Gründers geradlinig fortführt. Da das Pariser Musée Yves Saint Laurent wegen Renovierungsarbeiten bis Herbst 2027 geschlossen bleibt, bietet die New Yorker Exhibition derzeit eine gute Gelegenheit für einen intensiven Einblick in das Archiv der Marke.
Brooklyn Museum, New York: Iris van Herpen – Sculpting the Senses
Wenn Beyoncé, Lady Gaga oder Cate Blanchett auf dem Red Carpet stehen und ihre Kleider aussehen wie flüssiges Metall, 3D-gedruckte Korallenriffe oder schwebende Wasserskulpturen, weiß man sofort, welcher Designer sie angekleidet hat: Iris van Herpen. Die niederländische Couturière, die Mode eher wie angewandte Wissenschaft behandelt, ist derzeit mit Sculpting the Senses im Brooklyn Museum zu Gast – ihrem Nordamerika-Debüt. Hinter der Ausstellung steckt ein cleveres kuratorisches Konzept: Van Herpens biomorphe Entwürfe, die auf Prinzipien der Fraktalgeometrie, Biomimikry und Strömungslehre basieren, werden hier nicht isoliert auf Puppen drapiert. Stattdessen macht die Ausstellung die Ursprünge ihrer Mode direkt greifbar: Die Kleider sind Seite an Seite mit den Dingen platziert, von denen sie inspiriert wurden, wie echten Korallen oder Jahrmillionen alten Fossilien. Dem Betrachter wird dadurch sofort klar, wie Van Herpen die Natur als Bauplan für ihre Mode nutzt. So wird die Wissenschaft hinter den Entwürfen plötzlich sichtbar. Van Herpen, die ihr Label bis heute strikt unabhängig und ohne den Rückhalt eines großen Luxuskonzerns führt, hat die Modewelt radikal verändert. 2010 brachte sie als absolute Pionierin den 3D-Druck auf den Laufsteg. Ihr legendäres Crystallization-Kleid, das wie in der Luft gefrorenes, spritzendes Wasser aussah, ging weltweit viral und das TIME Magazine wählte ihre Kreationen prompt unter die „50 besten Erfindungen des Jahres“. Nur ein Jahr später folgte der offizielle Ritterschlag mit der Aufnahme in die Pariser Chambre Syndicale de la Haute Couture. Diese visionären Kreationen live zu sehen, ist eine einmalige Experience.
V&A South Kensington, London: Schiaparelli – Fashion Becomes Art
Das V&A in London zeigt gerade die erste große UK-Retrospektive der Mode-Visionärin Elsa Schiaparelli und macht deutlich, was heute selbstverständlich klingt, in den 1930ern aber radikal war: Mode als Kunst, nicht als reines Handwerk. Fashion hat bis dato nach perfektem Sitz und Alltagstauglichkeit gestrebt, aber Schiaparelli nutzte Kleidung als Leinwand für Ideen und Provokation. Das zeigt sich an Arbeiten wie dem gemeinsam mit Salvador Dalí entworfenen Skelett-Kleid, das die Knochenstruktur sichtbar nach außen legte oder am Tears Dress, dessen Druck an aufgerissenen Stoff und verletzte Haut erinnert. Beide Entwürfe lösten sich von der Idee, dass Couture vor allem schön und tragbar sein muss. Diese Dresses waren nicht einfach nur Kleidungsstücke, sondern einige ihrer wichtigsten Entwürfe: Arbeiten, die die Grenzen zwischen Couture und Kunst auflösten und bis heute zu den bekanntesten Beispielen surrealistischer Mode gehören. Präsentiert werden unter anderem Schiaparellis Kooperationen mit Jean Cocteau, Man Ray und Picasso und die aktuellen Haute-Couture-Kreationen von Daniel Roseberry, der seit 2019 Creative Director von Schiaparelli ist.
Auch interessant:
Club Culturel: Kunst-Highlights 2026
Nicht nur zum Anschauen: Fünf immersive Ausstellungen in Europa
Artist Homes: Künstlerhäuser und Wohnorte, die man besuchen kann
Strahlkraft: Van Cleef & Arpels-Ausstellung im MAK Wien














