
Noch bis zum 30. August haben die Salzburger Festspiele die Mozartstadt fest im Griff. Doch Salzburg hat weit mehr zu bieten als die ganz großen Bühnen. Zwischen Museen, Sammlungen, jahrhundertealter Musikgeschichte und privatem Engagement zeigt sich eine Stadt, die auch abseits des Festival-Trubels einiges zu bieten hat. séduction zeigt, was Kulturreisende jetzt entdecken können.
Seit dem 17. Juli laufen die Salzburger Festspiele 2026. Bis Ende August treffen hier bei knapp 200 Veranstaltungen Oper, Schauspiel und Konzert aufeinander. Zu den wichtigsten Spielstätten zählen das Große Festspielhaus, das Haus für Mozart und die Felsenreitschule. Der umfangreiche Festspielkalender liefert den perfekten Anlass für eine Reise, muss aber nicht zwingend ihren gesamten Inhalt bestimmen. Gerade zwischen zwei Vorstellungen lohnt sich ein Blick auf die gewachsenen kulturellen Strukturen, die Salzburg seit der Festspiel-Gründung durch Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt im Jahr 1920 begleiten.
Mozart jenseits des Klischees
Klar, an Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) kommt man in Salzburg kaum vorbei. Seine Geschichte ist an vielen Orten der Stadt bis heute präsent. Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse 9 und das Wohnhaus am Makartplatz gehören zur Internationalen Stiftung Mozarteum, die bereits 1880 gegründet wurde. Hier erzählen Originalinstrumente, historische Dokumente und persönliche Gegenstände vom Alltag der Familie. Doch die Stiftung beschränkt sich nicht auf Museumsarbeit: Mit internationaler Forschung, der Pflege des Nachlasses und eigenen Veranstaltungsreihen hält sie Mozarts Werk präsent. Ein Konzert am Abend bekommt einen anderen Kontext, wenn man sich tagsüber mit historischen Handschriften, Instrumenten und den Originalräumen beschäftigt hat. Viele dieser Orte liegen zudem nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.
Gegenwartskunst statt nur Musikgeschichte
Auch die bildende Kunst liefert im Sommer 2026 gute Gründe, den Blick einmal vom Trubel rund um die Festspiele abzuwenden. Das Museum der Moderne oben auf dem Mönchsberg zeigt aktuell zwei große Ausstellungen: Zum einen eine Schau über die französische Architektin und Designerin Charlotte Perriand („Moderne leben“), die Möbel, Architektur und Fotografie clever miteinander verbindet. Zum anderen zeigt der berühmte Künstler Georg Baselitz in der Ausstellung „BASELITZ JETZT“ beeindruckende, großformatige Bilder, die er in den letzten zehn Jahren gemalt hat.
Ein echtes Highlight wartet zudem im DomQuartier, mitten im historischen Herzen der Stadt. Hier trifft alte barocke Pracht auf moderne Kunst: Der Bildhauer Stephan Balkenhol hat für seine aktuelle Schau („Là ci darem la mano …“) lebensnahe Holzfiguren geschnitzt, die an bekannte Operncharaktere erinnern. Diese modernen Figuren hat er nun einfach mitten in die prunkvollen, historischen Säle der alten Salzburger Residenz und nach draußen auf den Residenzplatz gestellt. Das passt natürlich perfekt zur Festspielzeit, sieht aber auch für sich allein toll aus, ganz ohne Vorwissen. Wenn man durch diese prächtigen Räume und die angrenzenden Museen spaziert, versteht man ganz nebenbei auch ein spannendes Stück Stadtgeschichte: Man sieht hautnah, wie die Erzbischöfe damals herrschten und wie sie Religion, Politik und prachtvolle Kunst nutzten, um ihre enorme Macht zu demonstrieren.
Wie private Förderung Kultur ermöglicht
Wer über Salzburg als Kulturstadt spricht, kommt auch an ihrer Finanzierung nicht vorbei. Private Förderer spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Verein der Freunde der Salzburger Festspiele zählt rund 6.500 Mitglieder aus mehr als 60 Ländern. Ihre Beiträge und Spenden fließen als Zuschüsse in das Programm. Ähnlich arbeitet die Internationale Stiftung Mozarteum, die als privater, gemeinnütziger Verein ebenfalls auf Mitgliedschaften, Spenden und Patenschaften setzt.
Auch die Idee des klassischen Salons findet sich in zeitgemäßer Form wieder. Kultur wird in Salzburg nicht nur auf der Bühne erlebt, sondern auch über persönliche Netzwerke, Gespräche und private Förderung mitgetragen. Künstlergespräche und andere kleinere Formate ergänzen die großen Veranstaltungen. Für Kulturreisende ist gerade dieser Blick hinter die offiziellen Programme interessant: Er zeigt, wie stark das kulturelle Angebot einer Stadt auch von langfristigem Engagement und persönlichen Verbindungen abhängt.
Salzburgs Kulturinstitutionen im Wandel
Salzburg ruht sich auf seinem bisherigen Angebot nicht aus, sondern baut seine Museumslandschaft aktuell kräftig um. Das bekannte Salzburg Museum in der Neuen Residenz wird gerade umfassend saniert und vergrößert und bleibt deshalb bis 2027 geschlossen. Damit die Kunst in dieser Zeit nicht unsichtbar wird, geht das Museum einfach auf Tour: Unter dem Motto „Gastspiel“ zeigt es seine Schätze vorübergehend an anderen Orten in der Stadt und im Umland.
Während der Bauarbeiten entsteht in der Neuen Residenz zudem etwas völlig Neues: das „Belvedere Salzburg“. Das ist ein Ableger des berühmten Belvedere-Museums in Wien. Wenn es fertig ist, wird es bedeutende Kunstwerke aus der Wiener Sammlung sowie spannende Sonderausstellungen direkt nach Salzburg holen. Die Stadt bekommt dadurch ein weiteres, starkes Museum, das das ganze Jahr über sehenswert ist, nicht nur im Festspielsommer.
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