
Die Filmhighlights der Berlinale 2026 führten von Singapur über Los Angeles und Neuengland bis nach Japan und auf die Philippinen.
We Are All Strangers
In We Are All Strangers zeigt Anthony Chen ein leises, präzises Drama über eine Familie im Umbruch. In der Wirtschaftsmetropole Singapur versucht der 21‑jährige Junyang (Koh Jia Ler), seine Jugend zu genießen, während sein Vater (Andi Lim) mit Mühe den bescheidenen Lebensstandard hält. Als eine temperamentvolle Frau (Yeo Yann Yann) in dessen Leben tritt, verschiebt sich das fragile Gleichgewicht zwischen den beiden Männern, und Liebe, Verlust und Verantwortung prallen aufeinander. Der Film erzählt in zurückhaltenden, warmen Bildern davon, wie zwei Generationen neu aushandeln müssen, was Familie bedeutet.
Good Luck Have Fun Don’t Die
Good Luck Have Fun Don’t Die beginnt wie ein klassischer Heist‑Film und wandelt sich dann in eine verrückte Sci‑Fi‑Komödie. Ein Mann (Sam Rockwell), der behauptet, aus der Zukunft zu kommen, betritt ein Diner in Los Angeles und kündigt an, den ganzen Laden in die Luft zu jagen, wenn niemand ihm hilft, die Welt zu retten. Er rekrutiert eine zusammengewürfelte Gruppe von Gästen (unter anderem auch mit Haley Lu Richardson und Zazie Beetz) für eine nächtliche Mission gegen eine außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz. Auf ihrem Weg durch eine dystopische Stadt treffen sie auf Zombie‑Teenager, durchdrehende Roboter und allerlei surreale Bedrohungen.
The Moment
Auch 2026 scheint der „Brat“-Hype kein Ende zu finden: Charli XCX (spielt sich selbst) ist auf Festivals, Soundtracks und nun auch auf Kinoleinwänden präsent. Ihre Mockumentary The Moment knüpft direkt an diesen Rausch an. Der Film begleitet sie in der heißen Phase vor ihrer ersten Arena‑Tour, während ihr Label auf einen Konzertfilm drängt, um den Hype weiter zu befeuern. Zwischen hektischen Proben, PR‑Terminen und nächtlicher Erschöpfung wird Charli zur Beobachterin ihres eigenen Erfolgs. Regisseur Aidan Zamiri inszeniert dieses Szenario als grell‑glitzernde Selbstparodie.
Staatsschutz
Seyo Kim (Chen Emilie Yan), eine junge Staatsanwältin in Ostdeutschland, kämpft in Staatsschutz gegen rechte Gewalt und um ihre eigene Sicherheit. Als sie Opfer eines rassistischen Anschlags wird, beginnt sie, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Doch jeder Schritt bringt sie näher an ein System, das vertuscht und schützt, statt aufzuklären. Der spannende Thriller von Faraz Shariat ist ein Spiegel unserer Gegenwart, ein Film von beklemmender Aktualität angesichts erstarkender rechter Bewegungen und autoritärer Tendenzen weltweit.
The Testament of Ann Lee
The Testament of Ann Lee erzählt die Geschichte von Ann Lee (Amanda Seyfried), der Gründerin der Shaker. Als junge Frau erlebt sie in Manchester Armut, den Verlust ihrer Kinder und gesellschaftliche Ablehnung. Wegen Blasphemievorwürfen flieht sie 1774 gemeinsam mit ihrem Bruder William (Lewis Pullman) nach Amerika. In Niskayuna gründet sie während des Unabhängigkeitskriegs eine Shaker‑Gemeinde, predigt Gleichheit, radikale Keuschheit und Gemeinschaft und stellt sich Verhaftungen, Anschuldigungen und Widerstand entgegen. Der Film verbindet historische Ereignisse mit eindrucksvollen Performance‑Szenen und einem avant‑folkigen Soundtrack von Daniel Blumberg.
A New Dawn
Der junge Regisseur Yoshitoshi Shinomiya zeigt auf der Berlinale den einzigen Animefilm im Programm: A New Dawn. Im Zentrum steht Keitaro, der die alte Familienfeuerwerksfabrik seines Vaters verteidigt und das legendäre „Shuhari“-Feuerwerk fertigstellen will, bevor Bulldozer die Hallen für Solarfelder räumen. Über zwei Tage verweben sich Rückblicke und Gegenwart, während Freundschaft, Schuld und Verlust spürbar werden. Gleichzeitig schimmert ein ökologischer Subtext durch: städtische Expansion, Umwelt und Klimawandel rahmen die Geschichte ein. In einer experimentellen, montageartigen Inszenierung entfalten sich atemberaubende, aquarellartige Bilder.
Filipiñana
Filipiñana, das Debüt des philippinischen Regisseurs Rafael Manuel, erzählt die Geschichte der 17‑jährigen Isabel (Jorrybell Agoto), die in Manila als Tee‑Girl in einem exklusiven Country Club arbeitet, wo wohlhabende Geschäftsleute und Touristen ihre Freizeit genießen. Hinter der makellosen Fassade des Ortes zeigen sich nach und nach Ausbeutung, Machtmissbrauch und soziale Ungleichheit. Surreale Bilder, von perfekt choreografierten Tee‑Girls bis zu grotesken Karaoke‑Auftritten des exzentrischen Präsidenten Dr. Palanca (Teroy Guzman), bilden den Rahmen für eine beißende Satire auf die privilegierte Elite. Mit scharfem Humor und präziser Beobachtung erinnert Filipiñana an White Lotus und verwandelt Isabels Alltag in eine Reflexion über Klassenunterschiede, koloniale Hinterlassenschaften und die Suche nach der eigenen Position in einer ungleichen Welt.
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