
Hotels in ehemaligen Klöstern verbinden historische Bausubstanz mit zeitgemäßem Komfort. In den sogenannten Monastery Hotels werden frühere Klosteranlagen zu besonderen Rückzugsorten. Vier Häuser in Taormina, Florenz, Antwerpen und Nizza zeigen, wie unterschiedlich sich Geschichte, Design und gehobene Hotellerie miteinander verbinden lassen.
Dass immer mehr ehemalige Klöster als stilvolle Hotels ein zweites Leben erhalten, ist ein Gewinn für die Denkmalpflege und den Tourismus gleichermaßen. Der Wandel hat pragmatische Gründe: Viele Ordensgemeinschaften sind in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft, wodurch die großen, pflegeintensiven Anlagen leer standen. Für die Hotellerie bietet die klösterliche Architektur zugleich ideale Voraussetzungen. Die einst bewusst schlicht gehaltenen Klosterzellen lassen sich beispielsweise in charmante Zimmer und Suiten verwandeln. Großzügige Gemeinschaftsräume wie Refektorien, Bibliotheken oder Kreuzgänge bieten wiederum die passende Kulisse für charakterstarke Restaurants, Lounges und Foyers. Geschützte Innenhöfe, historische Mauergärten und häufig abgeschiedene Lagen schaffen außerdem Oasen der Ruhe für Reisende, die nach Slow Travel, echter Erholung und Unterkünften mit spürbarer Geschichte suchen.
San Domenico Palace in Taormina: Vom Dominikanerkloster zum Four-Seasons-Hotel
Greta Garbo, Audrey Hepburn, Elizabeth Taylor und Sophia Loren gehören zu den prominenten Gästen, die im San Domenico Palace bereits eingecheckt haben. Heute ist das Haus zudem als zentraler Drehort der zweiten Staffel von „The White Lotus“ bekannt. Die Geschichte des Anwesens auf einem Felsvorsprung hoch über dem Ionischen Meer begann jedoch lange vor Hollywood und Streaming-Diensten: 1374 wurde hier ein Dominikanerkloster gegründet, das Prinz Cerami Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Grand Hotel ausbauen und um einen zweiten Flügel im Liberty-Stil ergänzen ließ. Seit 2021 wird das Haus von Four Seasons geführt. Die insgesamt 111 Zimmer und Suiten verteilen sich auf den historischen Klostertrakt und den späteren Grand-Hotel-Flügel. Einige Unterkünfte liegen in Bereichen, die früher von den Mönchen genutzt wurden. Architektin Valentina Pisani gestaltete die hellen Räume mit Marmorbädern, Elementen aus Rauchglas und weißen Textilien. Die klare Einrichtung lässt den historischen Charakter des Gebäudes weiterhin zur Geltung kommen. Erhaltene Kreuzgänge, weite Bogengalerien, restaurierte Fresken und mehr als 500 Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten erinnern ebenfalls an die Vergangenheit des Hauses. Viele dieser historischen Räume haben heute eine neue Funktion erhalten. Im alten Kreuzgang befindet sich die Bar & Chiostro, während die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und später rekonstruierte Klosterkirche mittlerweile als Veranstaltungssaal dient. Hinzu kommen mediterrane Gärten, das Botanica Spa und ein Infinitypool auf einem Felsvorsprung oberhalb der Küste, von dem der Blick nahezu ungehindert über das Ionische Meer reicht. Trotz der abgeschirmten Atmosphäre mit Aussicht über die Bucht bis zum Ätna liegt das lebendige Zentrum von Taormina mit dem Corso Umberto nur wenige Schritte entfernt.
Villa San Michele: Ein Renaissance-Refugium in den Hügeln von Fiesole
Wer den Blick über die Dächer von Florenz aus einer neuen Perspektive genießen möchte, findet in den grünen Hügeln von Fiesole einen besonderen Rückzugsort. Hier liegt die Villa San Michele, ein ehemaliges Franziskanerkloster aus dem 15. Jahrhundert, das nach einer umfassenden, anderthalbjährigen Renovierung als Belmond-Hotel wiedereröffnet wurde. Zu den markantesten Elementen gehört die helle Renaissancefassade, an deren Gestaltung Michelangelo beteiligt gewesen sein soll. Im Inneren ist die Geschichte des Hauses weiterhin sichtbar: Originale Fresken, alte Loggien und der kleine Kreuzgang wurden bewahrt und bilden heute den Rahmen für 39 neu gestaltete Zimmer und Suiten. Auch die Unterkünfte beziehen sich auf die frühere Nutzung des Gebäudes und die toskanische Handwerkstradition. Einige Zimmer liegen in den ehemaligen Wohnbereichen der Mönche und kombinieren kalkverputzte Wände, warme Terrakottaböden und Pietra Serena mit antiken Möbeln und Bädern aus Marmor. Das Chapel Room befindet sich in der früheren Hauskapelle, während die Monastery Suite die einstigen Räume des Priors einnimmt. In der Grand Tour Suite erinnern historische Tapisserien und ein Himmelbett an Napoleon Bonaparte, der Teile des Klosters zeitweise als Quartier genutzt haben soll. Die ehemalige Orangerie beherbergt heute die Limonaia Suite mit eigenem Garten, privater Terrasse und beheiztem Steinpool. Auch außerhalb der Zimmer wurden die historischen Räume in das Hotelkonzept einbezogen. Im früheren Refektorium ist ein Abendmahl-Fresko von Nicodemo Ferrucci aus dem 17. Jahrhundert erhalten, während das neue Guerlain-Spa mit drei Behandlungsräumen zwischen restaurierten Fresken, Keramikdetails und Intarsien eingerichtet wurde. Das Restaurant Antesi liegt in einer Loggia aus dem 16. Jahrhundert und bietet lediglich acht Tische – ideale Voraussetzungen, um das Dinner in ruhiger, intimer Atmosphäre zu genießen.
Hôtel du Couvent: Nizzas historisches Kloster-Hotel
Mitten in der Altstadt von Nizza liegt hinter den Mauern eines ehemaligen Klarissenklosters aus dem 17. Jahrhundert das Hôtel du Couvent. Nach dem Auszug der Ordensschwestern im Jahr 1980 stand die Anlage jahrzehntelang leer, bevor sie nach einer umfassenden Restaurierung 2024 mit 88 Zimmern und Suiten wiedereröffnet wurde. Das gestalterische Konzept setzt auf eine reduzierte Ästhetik: Die Unterkünfte tragen Namen historischer Frauenorden wie Clarisses oder Colettines und verbinden gedeckte Naturtöne, historische Oberflächen und schlichtes Mobiliar mit der vorhandenen Architektur. Einige Zimmer verfügen über private Gärten, andere wurden in früheren Funktionsräumen wie der einstigen Wäschetrocknerei eingerichtet. Dieses eher minimalistische Design zieht sich durch das gesamte Haus. Im Kreuzgang befindet sich heute die Bar, in der hauseigenen Bäckerei wird Mehl aus alten Getreidesorten frisch gemahlen und die Küche verwendet Obst und Gemüse aus dem eigenen Klostergarten sowie von einer Farm im Hinterland von Nizza. Der Wellnessbereich des Retreats orientiert sich an der römischen Badekultur und folgt einem festen Temperaturablauf. Die Gäste beginnen im warmen Tepidarium, wechseln anschließend in das heißere Caldarium und schließen den Rundgang mit einem kurzen Bad im kalten Frigidarium ab. Das Hôtel du Couvent dürfte damit vor allem Reisende ansprechen, die die zurückhaltende Atmosphäre von Häusern wie dem Il Pellicano schätzen.
Botanic Sanctuary Antwerp: Auf den Spuren der Klosterheilkunde
Ein geschichtsträchtiger Ort der Pflege und Heilung hat sich in ein modernes Hotel verwandelt. Das im Herzen Antwerpens gelegene Botanic Sanctuary befindet sich in einem ehemaligen Hospital- und Klosterkomplex, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Rund um das Sint-Elisabeth-Hospital entstanden im Laufe der Jahrhunderte eine gotische Krankenstation, eine Kapelle, ein Pfarrhaus und ein Kloster, die das Areal zu einem wichtigen Ort für Krankenpflege, Seelsorge und Gemeinschaft machten. Nach einer umfassenden Restaurierung zwischen 2019 und 2021 wurde das renovierte Grundstück dann als Hotel neu eröffnet. Die Zimmer und Suiten verteilen sich auf fünf historische Gebäudeteile. Bei ihrer Gestaltung wurde auf eine ruhige, reduzierte Ästhetik gesetzt. Diese visuelle Ruhe zieht sich durch das gesamte Haus und nimmt Bezug auf den angrenzenden Botanischen Garten, in dem bereits im 16. Jahrhundert Heilpflanzen für die Versorgung des Hospitals kultiviert wurden. An diese botanische und medizinische Tradition knüpft heute auch der Wellnessbereich des Hotels an. Neben einem 18 Meter langen Pool, Saunen und Dampfbädern werden Behandlungen angeboten, die auf Phytotherapie sowie traditioneller europäischer und chinesischer Heilkunde basieren. Ergänzt wird das Konzept durch eine ausgeprägte Gastronomie. Restaurants wie Fine Fleur und Hertog Jan bestimmen das kulinarische Profil des Hauses. Letzteres bezieht ein eigenes Gewächshaus, Kräutergärten und Bienenstöcke in sein Konzept ein – ganz nach traditioneller Klostermanier.
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