
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen nach besonderen Naturerlebnissen suchen, gewinnt Astrotourismus an Bedeutung. Gemeint sind Reisen an Orte mit besonders geringer Lichtverschmutzung, an denen Sterne, Planeten und die Milchstraße viel besser sichtbar sind als in Städten. Über achtzig Prozent der Weltbevölkerung leben mittlerweile unter einem Himmel, der durch künstliches Licht aufgehellt wird.
Damit werden Regionen interessant, in denen künstliche Beleuchtung auf ein Minimum begrenzt ist. Einige von ihnen sind als Dark Sky Parks oder Reserves ausgewiesen und schützen den Nachthimmel gezielt vor zunehmender Lichtverschmutzung. Für Reisende steht dort vor allem die Beobachtung des Sternenhimmels im Mittelpunkt, häufig ergänzt durch astronomische Führungen, Observatorien oder spezielle Nachtwanderungen.
Die Cederberg Region in Südafrika
Etwa zweieinhalb Autostunden nördlich von Kapstadt liegen die Cederberge, eine Region aus Sandsteinformationen, Fynbos und weitläufigen Landschaften. Tagsüber ist das Gebiet vor allem für Wanderungen und seine markanten Felsformationen bekannt. Nach Sonnenuntergang bietet die geringe Besiedlung gute Voraussetzungen für die Sternenbeobachtung. Die abgelegene Lage, das überwiegend trockene Klima und die geringe künstliche Beleuchtung sorgen für vergleichsweise dunkle Nächte. Unter guten Bedingungen lassen sich große Teile des südlichen Sternenhimmels mit bloßem Auge erkennen.
Das Cederberg Astronomical Observatory widmet sich regelmäßig der Beobachtung des Nachthimmels und ist auch für Besucher geöffnet. Darüber hinaus bieten einige Unterkünfte der Region astronomische Führungen oder geführte Beobachtungen an. Dabei lassen sich unter anderem das Kreuz des Südens, die Milchstraße oder die Oberfläche des Mondes durch Teleskope betrachten.
Vier weitere Reiseziele für Astrotourismus
Neben Südafrika gibt es weltweit weitere Regionen, die aufgrund geringer Lichtverschmutzung und guter klimatischer Bedingungen besonders interessant für die Beobachtung des Nachthimmels sind. Landschaft und astronomische Voraussetzungen unterscheiden sich dabei teilweise deutlich.
Atacama-Wüste, Chile
Die chilenische Atacama-Wüste zählt zu den wichtigsten Standorten der astronomischen Forschung weltweit. Auf den hoch gelegenen Ebenen befinden sich mehrere große internationale Forschungsanlagen, darunter das Very Large Telescope (VLT) am Paranal-Observatorium sowie das aus 66 Antennen bestehende ALMA auf dem rund 5.000 Meter hohen Chajnantor-Plateau.

Auch touristisch wird das genutzt. Rund um Orte wie San Pedro de Atacama werden astronomische Touren angeboten, bei denen Besucher den südlichen Sternenhimmel kennenlernen können. Zu sehen sind unter anderem die Magellanschen Wolken und große Bereiche der Milchstraße. Tagsüber lässt sich der Aufenthalt mit Ausflügen zu Salzseen, Geysiren und vulkanisch Landschaften kombinieren.
Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve, Neuseeland
Auf der Südinsel Neuseelands liegt das Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve. Die Region umfasst unter anderem den Lake Tekapo und Teile des Gebiets rund um Aoraki/Mount Cook und zählt zu den bekanntesten Zielen für Sternenbeobachtung auf der südlichen Hemisphäre.
Von hier aus lassen sich Himmelsobjekte beobachten, die aus Mitteleuropa nicht sichtbar sind, darunter das Kreuz des Südens und die Magellanschen Wolken. Auch das galaktische Zentrum der Milchstraße steht zu bestimmten Zeiten besonders hoch über der Region. Diese Kombination macht Aoraki Mackenzie vor allem für Astrofotografie interessant.
NamibRand Nature Reserve, Namibia
Das NamibRand Nature Reserve liegt im Süden Namibias und ist als International Dark Sky Reserve ausgewiesen. Die sehr geringe Bevölkerungsdichte und die großen Entfernungen zu Städten sorgen für einen entsprechend dunklen Nachthimmel.
Tagsüber bestimmen Wüste, Grasflächen und Dünen das Landschaftsbild. Nachts wird der Sternenhimmel Teil des Aufenthalts. In der Kwessie Dunes Lodge verfügt beispielsweise jedes Chalet über einen separaten, zum Himmel offenen „Star Gazer Room“. Bei Wolwedans führen geschulte Guides Gäste zudem in Sternbilder ein und beobachten mit ihnen unter anderem Mond, Jupiter und Saturn.
La Palma, Kanarische Inseln
La Palma ist eines der bekanntesten europäischen Ziele für astronomische Beobachtungen. Die Kanareninsel verfügt über strenge Regeln zur Begrenzung von Lichtverschmutzung und beherbergt mit dem Observatorio del Roque de los Muchachos einen der bedeutendsten astronomischen Standorte Europas.
Die Höhenlage sorgt dafür, dass Beobachtungspunkte häufig oberhalb der Wolkendecke liegen. Gleichzeitig bleibt die Insel für Reisende aus Europa vergleichsweise einfach erreichbar.
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