Dubai stand lange für Hedonismus und Sinnesfreuden – und auch weiterhin lässt sich hier vorzüglich schlemmen sowie Drinks sippen. Aber parallel entwickelt sich das Emirat mittlerweile zu einem globalen Hotspot für Wellness. Wie passt das zusammen?
Dubai versteht die Kunst der Inszenierung wie kaum ein anderer Ort: Konsum, Maximalismus und Genuss gehören hier für viele zum Alltag, mehr noch: Diese Schlagworte waren jahrelang wichtigster Teil der Positionierung als Destination – und Selbstverständnis. Doch nun kommen nach und nach immer mehr Angebote für Entschleunigung auf höchstem Niveau. Klar, Spas wurden bei den großen Hotels natürlich von Anfang an mitgedacht; nun aber gibt es immer mehr Leuchtturm-Projekte sowie Treatments, die sich an spezielle Zielgruppen richten, zum Beispiel Frauen in der Menopause oder Menschen, die nur einen längeren Stopover in dem Emirat haben. Die Tourismusindustrie hat das Potenzial des Wellness-Trends erkannt und so wird jetzt gezielt in imposante Prestigeprojekte investiert, um die Metropole dauerhaft als führende Adresse für Wellness-Aufenthalte zu etablieren. Ein Paradebeispiel dafür ist das geplante »Islands in the Sky«: Das 500-Millionen-Dollar-Projekt soll ab 2028 als schwebende Mega-Therme eröffnen und Selfcare buchstäblich auf ein ganz neues Level heben. Ein Symbol für Dubais Anspruch, immer das Beste, Schönste, Größte zu erschaffen, getreu dem Motto: Wenn wir es machen, dann richtig.
Das Bedürfnis nach Balance
Hinter dieser Entwicklung steckt jedoch mehr als ein paar kluge strategische Entscheidungen, man kann gar von einer intrinsischen Motivation sprechen: In einer Stadt, in der Krankheiten wie Diabetes und Übergewicht – wegen des Lifestyles dort – zunehmen, wächst auch das Bedürfnis nach Balance und Gesundheit. Lange Arbeitstage, eine ausgeprägte Restaurantkultur, und ein Klima, das Outdoor-Sport oft erschwert, verlangen nach Ausgleich. Auch die vielen Expats und deren Bedürfnisse haben sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen. Aber kann man einen nachhaltigen Selfcare-Spirit einfach so importieren?
Arabische Traditionen der Körperpflege
Das ist ohnehin zu kurz gedacht. Denn: Von einem reinen Import zu sprechen, wird der diesbezüglichen arabischen Tradition nicht gerecht. Früher, als Dubai eher eine dünn besiedelte Wüstenlandschaft war – mit Nomaden und chronischer Wasserknappheit –, spielten öffentliche Badehäuser zwar eine kleinere Rolle, aber dort dominierten andere Formen der Körperpflege. Die Praxis des rituellen Reinigens etwa und die kulturelle Wert- schätzung von Begegnung in diesem Kontext sind in der gesamten Region tief verwurzelt. Auch der Ursprung des Hamams liegt in der islamischen Kultur, inspiriert von römischen und griechischen Thermen. Und so wartet auch das ikonische »One&Only Royal Mirage« mit einem groß inszenierten Hamam-Bereich auf – Highlight des Spas dort. Ansonsten hat es sich einer intuitiven, tiefgreifenden Form von Regeneration verschrieben, die weniger mit Traditionen zu tun hat. Zum Beispiel bei der Hautpflege: Hier wird auf Hightech gesetzt – mit Facials von 111Skin wie dem »Celestial Black Diamond Lift«, bei dem Diamanten-Mikropartikel für sofortige Lifting-Effekte sorgen sollen. Nicht zu vergessen, dass auch der Rest des Hotels recht erholsam gestaltet ist – eingebettet in 65 Hektar üppige Gärten und mit einem Kilometer Privatstrand.
Die neueren Eröffnungen konnten Selfcare de luxe von Anfang an mitdenken – allen voran das »Jumeirah Marsa Al Arab« mit seiner superyacht-inspirierten Silhouette. Herzstück ist das dreistöckige »Talise Spa«, das Touchless-Technologien (apparative Anwendungen, ohne Berührung durch Therapeuten) wie Kryotherapie und hyperbare Sauerstofftherapie für Regeneration und Leistungssteigerung nutzt. Im »Thermal Sanctuary« sorgen Sauna, Dampfbad und Eisbrunnen für Tiefenentspannung, während in der »Mindfulness Lounge« Klang- und Vibrationstherapie zu innerem Gleichgewicht führen.
»The Lana«, 2024 eröffnet und architektonisch ebenfalls äußerst spektakulär, liegt im Herzen von Dubais Business Bay. Es beherbergt das erste »Dior Spa« der Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Refugium, das französische Eleganz mit Minimalismus vereint, von einigen Behandlungsräumen hat man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline. Natürlich gibt auch dort Gourmetrestaurants von Spitzenköchen wie Martín Berasategui und Jean Imbert. Denn für Dubai ist der neue Wellness-Fokus keine Trendwende – sondern Erweiterung des Angebots. Auch besondere Bars eröffnen weiterhin, wie kürzlich »Blind Tiger«, der mit Grandhotel-Ambiente, stimmungsvollem Jazz und unglaublichen Cocktail-Kreationen (etwa mit Shiitake-Pilz und Schokoladenvermouth) überzeugt. Auch ein Ausnahme-Restaurant eröffnete letztes Jahr im »Atlantis The Palm«: das »FZN by Björn Frantzén«. Damit ist Frantzén der erste Koch, der aktuell drei Restaurants betreibt, die jeweils mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet sind (die anderen beiden sind in Stockholm und Singapur). Serviert wird im »FZN« ein Degustationsmenü, das nordische Präzision mit japanischer Finesse verbindet.
Also: Passt der neue Wellness-Fokus zum jahrzehntelang kultivierten Genuss-Hedonismus? Ein klares Ja an dieser Stelle. Denn das Verständnis von Selfcare endet in Dubai nicht mit der letzten Massage. Wer den kompletten Reset sucht, ist hier wohl nicht an der richtigen Stelle (dafür böte sich eher Sri Lanka an, auch hier im Magazin gefeatured). Wer aber einen yin-und-yang-mäßigen Mix sucht, bei dem man sowohl State-of-the-Art-Treatments als auch kulinarische Höchstgenüsse kredenzt bekommt, der ist hier nun genau an der richtigen Stelle.
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