Eine Reise durch Zeit und Raum führt in den Garten der Verlockungen: Guccis ehemaliger Creative Director Alessandro Michele schuf für seine High-Jewellery Kollektion „Hortus Deliciarum“ ein Kaleidoskop erlesener Schmuckstücke. Begleiten Sie ihn auf seinen Stationen.
Es funkelt und schillert. Verwöhnt das Auge mit Kostbarkeiten von unschätzbarem Wert. Wandelt Träume in Staunen – oder ist es umgekehrt? Auf alle Fälle ist es Alessandro Michele wieder gelungen, dem Namen Gucci zu noch mehr Begehrlichkeit zu verhelfen. Mit seiner dritten High-Jewellery-Kollektion, die selbst royale Kronjuwelen bescheiden aussehen lässt, öffnet er den Vorhang zu einer Bühne, auf der eine magische Inszenierung stattfindet: Nach vorheriger Absprache mit dem jeweiligen Store Manager ist es möglich, einen Blick auf die prunkvollen Colliers, Armbänder, Ringe und den Ohrschmuck zu werfen.
Und jedes Stück ist ein Unikat. Ist das zeitgemäß? Das spielt in modernen Märchen keine Rolle. Stellen Sie sich einen Red Carpet vor, und Sie sind Jessica Chastain, das Testimonial der Kollektion. Sie begeben sich jetzt auf eine imaginäre Reise, die durch verschiedene Zeiten und Kontinente führt, vorbei an historischen Stätten, immer auf der Suche nach einem kostbaren Souvenir oder – wie Alessandro Michele es formuliert – nach einer „Erinnerung voller Erinnerungen“. Das Erlebnis ähnelt einer „Grand Tour“, die Sie in seinen „Hortus Deliciarum“, seinen Garten der Verlockungen entführt. Die „Grand Tour“, eine mindestens ein Jahr andauernde Reise durch Kontinentaleuropa, kam im 18. Jahrhundert in Aristokratenkreisen und bei Intellektuellen in Mode. Der Anfang oder das Ende der „Grand Tour“ war Italien, genauer gesagt Rom. Die Stadt am Tiber – wie man in Goethes Meisterwerk „Italienische Reise“ nachlesen kann – bildete den Höhepunkt. Mit seinen exquisiten Schmuckstücken nimmt Alessandro Michele Sie in seine Haute-Joaillerie-Welt mit und lässt ethische und ästhetische Werte aufleben, die auf der Zusammenführung unterschiedlicher Kulturen und der Wiederherstellung des Glanzes kostbarer Raritäten beruhen.

Startpunkt: Das 19. Jahrhundert
Die Reise durch das Land der Preziosen beginnt im 19. Jahrhundert. Als Kontrast zu funkelnden Steinen verwendet Michele Mikromosaike, die zwischen 1850 und 1870 gefertigt wurden. Sie zeigen Ruinen und römische Landschaften, das Kolosseum, den Petersplatz mit den Kolonnaden von Bernini, das Pantheon, das Forum Romanum, den Tempel der Vesta, den Herkulestempel in Cori, die Wasserfälle von Tivoli und die Costius-Pvramide. Mit diesen Kameen fängt Michele die Sehnsucht nach vergangener Pracht ein und setzt sie in Ketten, Armbändern, Ohrringen und Broschen aus Gold um, die besetzt sind mit grünen Peridoten, gelben Beryllen, roten und rosafarbenen Spinellen, blauen Topasen, Feueropalen, rosafarbenen Türmalinen und Diamanten. Beim zweiten Halt spannt die Kollektion den Bogen von Rom bis ins Indien der Maharadschas. Prachtvolle Impressionen wecken die Assoziation zu opulenten Festivitäten, die in prunkvollen Palästen und üppig bepflanzten Gärten stattfinden. Hier setzt Michele auf die Wirkung der sogenannten roten Steine des Lichts: Rubellit, Imperialtopas, gelber Beryll, Türmalin und Granat. „Diesen Steinen wohnt die magische, hypnotische Qualität der Dämmerung in bedeutenden Dimensionen bei“, sagt er. Zu den Signaturstücken dieser Kollektion gehören Solitärringe mit Steinen im Birnen- und Herzschliff, mehrreihige Ketten mit farbigen Steinen, Armbänder, die mit geflochtenen Strängen aus Gold, Diamanten und Emaille große Karfunkel einfassen.
GDie dritte Bühne der High-Jewellery-Kollektion gehört der Perle mit ihrer symbolischen Bedeutung: Laut den griechischen Mythen wird sie aus dem Schaum des Meeres geboren und verfestigt sich auf der Haut der Aphrodite. Plinius der Ältere (ca. 23 bis 79 n. Chr.) nannte Perlen die „ersten Kostbarkeiten überhaupt“, Cäsar überhäufte Kleopatra mit den schimmernden Preziosen, und Alessandro Michele sah dies als Anreiz, die Perle in den Gucci-Schmuck-Olymp zu erheben. Aus einer Kombination mit weißen, cremefarbenen und schwarzen Perlen entstanden zusammen mit Imperialtopasen, mehrfarbigen Turmalinen und Diamanten taillenlange Sautoirs sowie passende Ohrringe und Broschen.
Gucci: Die neue Welt der 1930er und 1940er
Weiter geht die Reise mit Gucci in die neue Welt der 1930er- und 1940er-Jahre. Die Architektur der Wolkenkratzer spiegelt sich in Ketten und Armbändern aus geometrischen Formen mit asymmetrischen, flexiblen Modulen wider, die mit dramatisch großen Amethysten, Aquamarinen und Beryllen im – vor allem zur Zeit des Art déco – beliebten Cushion Cut mit 58 Facetten geschmückt sind.
Die letzte Station widmet Michele den 1970er-Jahren mit ihrer Popkultur, der Befreiung aus starren gesellschaftlichen Fesseln und dem Wunsch, fremde Welten und Kulturen zu entdecken. Schmuckstücke werden hier zu Amuletten, die als Hüter von Ideen, Visionen und Geschichten gelten. Sie sind umrahmt von Edelsteinen in psychedelischen Farben. Ein Anhänger aus Gelbgold erinnert an die Savanne, mit Gravur und Emailliering. Das Design geht auf das legendäre Seidentuch „Savana“ zurück, das Vittorio Accornero de Testa 1969 für Gucci entworfen hatte. Und hier endet Alessandro Micheles Reise in den „Hortus Deliciarum“, den Garten der kostbaren Verlockungen.