Harry Winston: Die Geschichte des „King of Diamonds“ - séduction Magazin Germany
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Harry Winston: Die Geschichte des „King of Diamonds“

Von Redaktion 25/07/2026
Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme mehrerer elegant gekleideter Frauen auf einer geschwungenen Treppe, die mit auffälligen Diamantcolliers, Ohrringen, Armbändern und Broschen von Harry Winston geschmückt sind.
Alle Bilder von Harry Winston (PR)
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Vom Juwelierssohn zum »Diamantenkönig«: Harry Winston machte das Entdecken, Neuinszenieren und Zeigen von Edelsteinen zur Kunst. Ein Erbe, das bis heute prägt und das Haus leuchten lässt.

»Diamonds are a girl’s best friend« mag wie eine viel bemühte Einleitung klingen, wenn es darum geht, Geschichten über Juwelen zu erzählen. Aber es gibt kein anderes Zitat, das die Atmosphäre der Ära, in der Harry Winston erfolgreich wurde, besser heraufbeschwören könnte. Zumal Marilyn Monroe als Zeitgenossin Winstons den legendären Juwelier in ihrem Lied direkt anspricht: »Talk to me, Mr Winston, tell me all about it.«

Doch die Geschichte des prestigeträchtigen Unternehmens beginnt bescheiden. Geboren als Harry Weinstein Ende des 19. Jahrhunderts in New York, verbrachte er als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine seine Kindheit in dem kleinen Schmuckladen seines Vaters. Hier sollte er erste Erfahrungen mit dem Geschäft sammeln und sein Gespür für Edelsteine entwickeln. Der klassische amerikanische Traum beginnt früh Formen anzunehmen: Der Legende nach erkennt der erst zwölfjährige Harry in einem Trödelladen unter allerlei Modeschmuck einen echten Smaragd, erwirbt ihn für wenige Cents und verkauft ihn Tage später für 800 Dollar. Der Blick für verborgene Schätze soll zum Kern seines späteren Erfolgs werden.

Kaum dem Elternhaus entwachsen, gründet Winston mit Anfang zwanzig seine erste Firma im Diamantenhandel. Mangels ausreichender Mittel, um große Edelsteine zu kaufen, verlegte er sein Augenmerk auf Nachlässe der High Society, in denen häufig Sammlungen altmodischen Schmucks aufgelöst wurden. Erfolgreich macht er so vielversprechende Steine ausfindig, befreit sie aus ihren aus der Mode gekommenen schweren Fassungen, lässt sie neu schleifen und in zeitgemäßer Form wiederauferstehen. 1932 dann beginnt er schließlich unter seinem Namen eigene Schmuckstücke zu fertigen – die Geburtsstunde von »Harry Winston – Rare Jewels of the World«.

Die Design-Codes sind von Anfang an klar definiert: Harry Winston inszeniert Edelsteine. Fassung und Ausrichtung von Diamanten müssen stets so angelegt sein, dass ihr Lüster und Funkeln prominent zur Geltung kommt – mit möglichst wenig sichtbarem Metall. Besonders klar umgesetzt ist diese Maxime in der mittlerweile ikonischen »Winston Cluster«-Kollektion, entstanden in den 40er-Jahren mit einer bis heute kaum zu imitierenden Fassungstechnik, bei der die unterschiedlich geschliffenen Diamanten wie zufällig zueinander angeordnet sind und auf der Haut zu schweben scheinen.

GROSSES KINO: Brosche aus der »Talk to Me Harry Winston«-Kollektion mit einem außergewöhnlichen 9,81-karätigen, intensiv gelben Diamanten im Kissenschliff.

Winston sucht und findet, kauft und verkauft die bedeutendsten Steine der Welt. Erwirbt die imposantesten Rohdiamanten seiner Zeit, lässt sie nach New York bringen, schleifen und in funkelnde Juwelen verwandeln.

Er will alle berühmten Diamanten der Geschichte besitzen und schafft eine Sammlung, mit der – laut dem Time Magazine – nur die britische Royal Family mithalten kann. Sie soll ihm den Titel »King of Diamonds« einbringen.

Den wohl berühmtesten seiner historischen Steine, den tiefblauen Hope-Diamanten, schenkt Winston 1958 dem Smithsonian Museum in Washington. Der einzigartige 45-Karat große Stein ist bis heute Mittelpunkt der Sammlung des Naturkundemuseums – mehr als 100 Millionen Besucher sollen ihn dort gesehen haben.

Gleichzeitig erkennt Winston früh die Macht der medialen Inszenierung. Lange bevor »Red Carpet Dressing« zum festen Bestandteil der Modeindustrie wurde, stattet er als »Jeweler of the Stars« Hollywood-Größen mit seinen Kreationen aus.

Auf die Expansion nach Europa erfolgt im März 1960 der Umzug des Unternehmens an die Fifth Avenue 718, um den wachsenden Platzansprüchen gerecht zu werden. Die legendäre Adresse – bis heute Flagship-Boutique und Stammsitz des Unternehmens – inspiriert einige der Klassiker der Kollektion, ebenso wie die Stadt selbst. Nach seinem Tod 1978 übernehmen zunächst die beiden Söhne Ronald und Bruce Winston das Unternehmen.

1989 erfolgt der erfolgreiche Einstieg in die Uhrmacherei, ein gewaltiger Schritt, der Schmuckuhren, aber auch komplizierte Zeitmesser mit schweizerischer Präzision und New Yorker Stilelementen hervorbringt. Doch die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern über die geschäftliche Führung führen letztlich zum Verkauf des Unternehmens im Jahr 2000.

Seit 2013 ist Harry Winston, Inc. Teil der Swatch Group. Doch das Erbe des außergewöhnlichen Juweliers wird hochgehalten: »Menschen! Drama! Romantik! Edelsteine! Spekulation! Aufregung! Was will man mehr?« In Bezug auf sein Lebenswerk wirkt das Zitat Harry Winstons wie ein Manifest. Denn was soll erfüllender sein als die Entdeckung und Inszenierung der wichtigsten Edelsteine seiner Zeit? Ihnen Bedeutung zu geben. Und darüber zu sprechen.

TEXT: FRIEDERIKE WEISSBACH

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