Zu Besuch in den Ateliers von Piaget - séduction Magazin
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Uhren & Schmuck

Zu Besuch in den Ateliers von Piaget

Von Jan Lehmhaus 10/10/2022
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Handwerkskunst und edle Steine. Dazu eine Neigung zu feiner Asymmetrie. In den Ateliers von Piaget entstehen Traumgebilde der Haute Joaillerie: verspielt, betörend und zunehmend individualisiert.

Haute Joaillerie

Am Anfang steht die Gouache, das handgemalte Bild eines Schmuckstücks, das erst noch entstehen soll. Jede Facette und jede Farbnuance sind darauf festgehalten, verbindliche Vorlage für die Kunsthandwerkerin Piagets Schmuckateliers. Auf den Laien wirken diese zarten Malereien weniger technisch als poetisch, für die Manufaktur bilden sie die Grundlage des Erfolgs mit High Jewellery. Oder vielmehr: Haute Joaillerie.

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Piaget sitzt im frankophonen Genf und hat seine Wurzeln im winzigen Jura-Dörfchen La Côte-aux-Fées. Die Marke war schon bekannt für ihre superflachen Uhrwerke, die sich bestens in elegante Dresswatches einbauen ließen, als Yves Piaget, Urenkel des Gründers und studierter Edelstein-Experte, in den 1960er-Jahren erkannte, was die High Society von damals neben goldenen Uhren noch suchte: neuen Schmuck, modern, extravagant und extrem hochwertig. Seit dieser Zeit fertigt Piaget exklusive Schmuckkollektionen und hat dabei längst seine eigene Handschrift entwickelt: Typisch ist die Asymmetrie der Preziosen; zunehmend wichtig wird eine gewisse Verspieltheit und Wandelbarkeit der Stücke.

„Vor allem aber geht es in der Haute Joaillerie um eine makellose Qualität der Steine“, erklärt Christophe Bourrie, bei Piaget verantwortlich für den High-End-Schmuck. Und die perfekten Steine zu beschaffen werde zunehmend zur Herausforderung. In Bourries Abteilung arbeiten zehn Designer und sieben Gemmologen an den neuen Kollektionen. Nach einer Themenvorgabe durch das Kreativ-Komitee sind die Gestalter weitgehend autonom und stellen die fertigen Entwürfe schließlich als Gouache vor. „In einer idealen Welt würden sie dabei die Verfügbarkeit der Steine gleich mit bedenken, tun es aber nicht“, sagt Bourrie und klingt dabei stolz auf die Willenskraft der Kreativen. „Wir haben natürlich einen Vorrat an losen Steinen, aber eben nicht immer eine ausreichende Menge und Größe oder den exakten Farbton.“

Auf der Suche nach den passenden Steinen

Findet sich das Verlangte nicht im Angebot der üblichen Großhändler, kommen besondere Steineinkäufer zum Einsatz, in der Branche zu Recht „Baroudeurs“ genannt, Abenteurer. Die schlagen sich durch entlegene Dschungel oder ferne Wüsten und treiben die begehrten Juwelen gleich bei den Minen auf. Das klingt wie erfunden, ist aber gängige Praxis. Denn die Konkurrenz auf dem Markt der High Jewellery wächst ständig: „Neben die klassischen Juweliere – Cartier, Van Cleef & Arpels, Bulgari – treten zunehmend Fashion Brands. Louis Vuitton, Dior und andere setzen stark auf High Jewellery“, erläutert Bourrie. Das sei eigentlich eine erfreuliche Entwicklung, schließlich erschlössen die neuen Wettbewerber ein größeres Publikum. „Das heißt aber auch, dass es eine enorme Nachfrage nach den besten Steinen gibt.“ Piaget achtet darauf, dass nur ethisch einwandfreies Material in die Genfer Ateliers gelangt.

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Sonnenwende

Die jüngste Haute-Joaillerie-Kollektion heißt „Solstice“ und soll, so der Auftrag an die Designer, die Farben sommerlicher Sonnenwendnächte zeigen. Das gelingt ihr mit großen Smaragden aus Madagaskar, blauen und rosa Saphiren aus Sri Lanka sowie dunkel glänzen-dem australischem Opal. Der bildet auch das Zifferblatt der Uhr „Extraordinary Touch“. Zu Weißgold und Edelsteinen im Marquise-Schliff kommt hier noch ein weiteres, ungewöhnliches Material: Zwei Sträuße zarter Vogelfedern umspielen das Gehäuse, lassen sich aber ablösen und als Ohrringe verwenden. Damit wird das Stil-merkmal der Verspieltheit auf die Spitze getrieben. Fast schon zum Standard gehört hingegen, dass sich der zentrale Stein des „Flamboyant Nightfall“-Colliers, ein imposanter Smaragd, abnehmen und an einem Ring befestigen lässt.

Tatsächlich seien diese spielerischen, modularen Details nicht einfach die Handschrift des Hauses, erklärt Christophe Bourrie: „Der Markt verlangt danach. Unser Publikum wird deutlich jünger und will keinen Schmuck, den es einmal im Jahr tragen kann, sondern wandelbare Stücke für jeden Tag. Auch deshalb entwerfen wir immer mehr Modelle, die sich zu mehreren Schmuckstücken lösen oder zu einem zusammenfassen lassen.“

Technik und Komfort

Ein schlüssiges Konzept – aber technisch eine echte Herausforderung. Natürlich darf der Verbindungsmechanismus der Teile nicht zu sehen, nicht einmal zu ahnen sein. Dass sich die Stücke komfortabel tragen lassen müssen, liegt auf der Hand. Und bei aller Zartheit der Konstruktion muss sie absolut verlässlich bleiben. Schließlich wolle sich niemand um einen gelben Zehnkaräter-Diamanten fortwährend Sorgen machen, sondern ihn ganz gelassen tragen, sagt Bourrie. Bei der Konstruktion dieser Mechanismen kommen dann in der Manufaktur neben Pinsel und Zeichenfeder auch CAD-Programme zum Einsatz. Sorgfältige Berechnung verlangt auch die Piaget-typische Asymmetrie bei großen Schmuckstücken: „Perfekte optische Balance ist doch langweilig“, sagt Bourrie, „physisch aber muss die Balance sorgfältig gehalten werden, bei einem Collier zum Beispiel. Das braucht einen gezielten Gewichtsausgleich, um perfekt zu fallen.“

Bis ins kleinste Detail

Von diesen technischen Details und den für ihre Umsetzung erforderlichen handwerklichen Fähigkeiten wissen nur die wenigsten. Nicht zuletzt, weil die Mechanismen so gut versteckt sind. Bei den Uhren aber ist die Freude an mechanischen Höchstleistungen gewachsen. Zur „Solstice“-Kollektion gehört auch die Armbanduhr „Dazzling Swirl“: Das Zifferblatt ist mit Brillanten und Diamant-Baguetten wirbelförmig ausgefasst und gibt den Blick frei auf das anspruchsvolle mechanische Werk, indem zum Schwerkraft-Ausgleich die Hemmungsgruppe fortwährend rotiert. „Tourbillon“ heißt dieses Modul, „Wirbelwind“. „Noch vor ein paar Jahren hätten wir für die Frauen keine so technische Uhr angeboten“, sagt Bourrie, „aber viele schätzen inzwischen mechanische Zeitmesser und wollen auch bei Schmuckuhren nicht zurück zum Quarz.“

Ganz nach Wunsch

Basis der „Dazzling Swirl“ ist ein Piaget-Klassiker, die „Altiplano“. Im „Infinitely Personal“-Programm des Hauses können sich die Kundinnen aus zahlreichen Armband-, Gehäuse- und Zifferblattvarianten ein individuelles Stück zusammenstellen. Die Personalisierung gehört seit jeher zum Service der Manufaktur. Und sie beschränkt sich nicht auf die Wahl zwischen vorgegebenen Möglichkeiten. Christophe Bourrie führt auch die Ateliers, in denen Schmuck ganz nach Kundenwunsch entsteht. Dafür kommen die Klientinnen und Klienten nach Genf oder bekommen Besuch von Piaget. „Wir setzen uns mit ihnen zusammen, versuchen zu verstehen, was sie wollen und wofür. Dann entstehen erste Zeichnungen.“ Manchmal seien die Ideen der Auftraggeber so speziell, dass es schon etliche Skizzen brauche, bis man sich einig werde, räumt Bourrie ein, aber das sei Teil des Spiels. Er freut sich umso mehr, wenn die Kunden dann die Manufaktur besuchen, um zuzusehen, wie ihr Schmuck entsteht. Auf Wunsch bekommen sie dazu auch ein Bild: eine Kopie der finalen Gouache.

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