Finanzkolumne: Nicht alles, was glänzt... - séduction Magazin Germany
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Finanzkolumne: Nicht alles, was glänzt…

Von Jessica Schwarzer 13/07/2026
Credit: unsplash
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Jessica Schwarzer ist leidenschaftliche Aktionärin, Finanzjournalistin und Autorin mehrerer Börsenratgeber: Hier schreibt sie ab jetzt über den smarten Umgang mit Geld. In Folge 2 ihrer Kolumne erläutert sie, ob Gold wirklich der absolut sichere Hafen für Anlegerinnen und Anleger ist.

Der Mythos Gold – das sind 6000 Jahre Kulturgeschichte. Die alten Ägypter nannten es „Fleisch der Götter“, für die Inkas in Südamerika war das gelbe Edelmetall der „Schweiß der Sonne“. Ob nun göttlich und unzerstörbar oder die physische Manifestation der Sonne – Gold ist ein mythisches, ein magisches Material. Noch heute gibt es diese Faszination, auch an der Börse übrigens. Viele Investoren sind heute noch fasziniert und horten geradezu Münzen und sogar Barren. Kein Wunder, gilt Gold doch als der Inbegriff des „sicheren Hafens“. Das gelbe Edelmetall gilt als ultimative Absicherung gegen Währungsverfall und geopolitische Krisen und sogar Kriege. Wenn die Börsen verrückt spielen und Aktien unter Druck geraten, soll Gold das Depot stabilisieren. So zumindest will es das Lehrbuch. Und sehr oft funktionierte das in der Vergangenheit auch. Doch der Mythos bekommt Risse.

Zu Jahresbeginn setzte das Edelmetall seine Rally der vorherigen Monate zwar noch fort und übersprang sogar die historische Marke von 5.000 US-Dollar pro Feinunze. Doch dann folgen überraschend starke Schwankungen. Und das, obwohl doch die Eskalation der Lage im Nahen Osten eigentlich für steigende Goldpreise gesprochen hätte. Doch anstatt in den „sicheren Hafen“ zu flüchten, verkauften Investoren in großem Stil. Hat Gold als Krisenwährung ausgedient?

So weit würde ich gehen. Es stimmt aber sicherlich, dass Gold nicht mehr der Stabilisator im Depot ist, das es mal war. Die Preisausschläge sind extrem, auch weil Spekulanten das gelbe Edelmetall für sich entdeckt haben. Zu Beginn des Iran-Krieges reagierten die Edelmetall-Preise erst einmal lehrbuchhaft. Der Goldpreis markierte ein neues Allzeithoch bei mehr als 5400 Dollar. Doch schon wenige Tage später ging es abwärts, immer weiter abwärts. Dieser abrupte Absturz von Gold wirkt auf den ersten Blick paradox, widerspricht er doch der klassischen Logik.

Schaut man sich aber das aktuelle Umfeld genauer an, dann gibt es gleich mehrere Gründe für den Rücksetzer des Goldpreises. Der Krieg in Nahost lässt die Energiepreise stark steigen und damit unweigerlich auch die Inflation beziehungsweise die Inflationserwartungen. Das wiederum stärkt Dollar und Realzinsen, macht Zinssenkungen unwahrscheinlich und belastet damit den Goldpreis. Da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft, steigen die Opportunitätskosten, wenn die Realzinsen steigen. Umgekehrt signalisieren fallende Realzinsen den Bedarf an Geldwertsicherung. Auch diese Regel aus dem Lehrbuch ist aber nicht mehr allgemein gültig: Seit 2022, dem Jahr der sehr sportlichen Zinswende der Notenbanken, die mit steigenden Zinsen die galoppierende Inflation bekämpften, stieg schließlich auch der Goldpreis. Vor allem die Notenbanken in den asiatischen Schwellenländern, aber nicht nur dort, haben die Rally bis auf Rekordstände mit ihren massiven Goldkäufen angefeuert. Sie wollen unabhängiger vom Dollar sein und schichten ihre Reserven um – raus aus US-Staatsanleihen, rein in Gold. Sie waren es aber auch, die in den vergangenen Monaten Liquidität brauchten und Gold verkauften.

Eigentlich ist das keine Überraschung. Gerade in stürmischen Börsenphasen wird auch Gold oft auch verkauft. Aber nicht, weil es plötzlich uninteressant oder kein „sicherer Hafen“ mehr ist, sondern weil gerade institutionelle Investoren wie Stiftungen, Pensionskassen oder auch Family Offices Geld brauchen. Wer an anderer Stelle Verluste ausgleichen muss oder schlicht Liquidität braucht, verkauft oft zuerst das, was weniger stark verloren hat und rasch handelbar ist. Dieses Phänomen ist in vielen Stressphasen an der Börse zu beobachten gewesen: Gold gerät unter Druck, obwohl es eigentlich als „sicherer Hafen“ gefragt sein müsste. Oft ist das aber nur ein sehr kurzfristiges Phänomen und mit anhaltenden Turbulenzen steigt der Preis dann wieder. Aktuell haben die Profis sicherlich auch hohe Gewinnen aus der jüngsten Vergangenheit realisierst.

Hat Gold als Krisenschutz also ausgedient oder war vielleicht auch nie ein „sicherer Hafen“? Nein, der Krisenschutz funktioniert grundsätzlich, nur eben nicht an jedem Tag und in jeder Woche. Wenn Sie also den „sicheren Hafen“ ansteuern wollen, sollten Sie bedenken, dass Gold äußerst sensibel auf Zinsen, Währungen und Marktliquidität reagiert – gerade in Krisenzeiten. Es bleibt aber dabei: Gold bringt Sicherheit ins Depot, aber eben nicht 100-prozentigen Schutz. Es gab durchaus Bärenmärkte an den Aktienbörsen in denen Gold gestiegen ist. Die Finanzkrise ist ein solches Beispiel. Und selbst wenn der Gold in Krisenphasen nachgibt, fällt er in der Regel deutlich weniger stark als die Aktienmärkte. Und das ist ja auch schon was! Anlegerinnen und Anleger sollten sich aber nicht darauf verlassen, dass der „sichere Hafen“ Gold ihre Verluste am Aktienmarkt ausgleicht. Das wird nicht funktionieren. Einen absolut „sicheren Hafen“ gibt es nicht!

Von seinem Mythos hat das gelbe Edelmetall aber nichts verloren. Gerade Privatanlegerinnen und Privatanleger schätzen diese Anlageklasse sehr und sind fasziniert von ihren Münzen und Barren. Vermögensverwalter berichten mitunter, dass ihre sehr reichen Kunden diese Anlageklasse mitunter sogar extrem hoch gewichten. Da liegt der Goldanteil am Vermögen bei 30, 40, sogar 50 Prozent. Doch das ist wirklich übertrieben. So viel (vermeintliche) Sicherheit braucht niemand. Gold sollte immer nur eine Beimischung sein. Viele Experten empfehlen eine Quote von fünf bis zehn Prozent, maximal aber 20 Prozent. Denn die Rally der vergangenen Jahre darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Jahrzehnte gab, in den der Goldpreis nur sehr stabil seitwärts lief – ganz im Sinne des „sicheren Hafens“ allerdings.

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