Schwellenländer-Aktien: Den KI-Boom gibt es nicht nur an der Wall Street - séduction Magazin Germany
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Schwellenländer-Aktien: Den KI-Boom gibt es nicht nur an der Wall Street

Von Jessica Schwarzer 05/08/2026
Pinkfarbene Roboterhand nähert sich einer menschlichen Hand vor türkisfarbenem Hintergrund.
Credit: Bilder von Unsplash
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Der Boom um Künstliche Intelligenz befeuert seit Monaten die Rally an den Aktienbörsen und hat nebenbei für ein rasantes Comeback der Schwellenländer gesorgt. Nicht der einzige Grund, warum auch die Emerging Markets ins Depot gehören.

Wer sich für technologische Innovationen interessiert, schaut in Richtung Silicon Valley. Und wer als Anleger vom Boom um Künstliche Intelligenz (KI) profitieren will, denkt an die Wall Street oder die US-Technologiebörse Nasdaq. Doch viele Unternehmen, die die nötige Infrastruktur, Chips und Speicher liefern, sind gar nicht in den USA beheimatet. Zu den Gewinnern des KI-Booms und der erwarteten nächsten Wachstumsphase zählen auch Unternehmen aus China, Südkorea und Taiwan. Taiwan ist stark bei der Halbleiterproduktion und Südkorea zählt zu den wichtigsten Herstellern von Speicherchips. Und China? Greift nach der KI-Weltherrschaft. Kein Wunder also, dass die KI-Rally auch die Aktienmärkte der aufstrebenden Schwellenländer erreicht hat.

Skyline von Taipeh mit dem Taipei 101 im warmen Abendlicht.
Taiwan zählt zu den Gewinnern des KI-Booms. Die starke Halbleiterindustrie hat auch dem Aktienmarkt des Landes Rückenwind gegeben

Doch diese Rally haben viele Privatanleger wohl verpasst. „Schwellenländer sind in vielen Portfolios weiterhin strukturell untergewichtet, obwohl sie bei zentralen globalen Wachstumstrends eine wichtige Rolle spielen – von KI und digitaler Infrastruktur bis hin zu Energie und Rohstoffen“, sagt Stephanie Lang, Leiterin der Portfoliostrategie für die Regionen Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH) sowie Zentral- und Osteuropa bei BlackRock und der ETF-Tochter iShares. In vielen Depots sind sie gar nicht erst vertreten. Denn der bei ETF-Anlegern beliebte Weltaktienindex MSCI World deckt nämlich nur die Industrieländer ab. Wer auch in den aufstrebenden Schwellenländern investieren möchte, mischt einen ETF auf den MSCI Emerging Markets bei oder setzt auf den MSCI All Country World, der beide Indizes kombiniert.

Anleger sollten sich bei der Gewichtung am globalen Aktienmarkt orientieren, rät Chris Hofmann, Investmentexpertin und Head of Intermediated Wholesale Germany & Austria des Vermögensverwalters und ETF-Anbieters Vanguard. „Emerging Markets machen aktuell etwa 10 bis 15 Prozent des weltweiten Aktienmarktes aus“, sagt sie. „Das ist ein guter Ausgangspunkt, um das Portfolio auszurichten.“ Es darf aber auch ein bisschen mehr sein. „Je nach Risikobereitschaft, Einschätzung der Wachstumschancen und Anlagehorizont können Anleger bewusst von dieser Gewichtung abweichen und beispielsweise Regionen, Sektoren oder Faktoren stärker oder schwächer gewichten“, ergänzt Lang. Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) gibt es sowohl auf die breiten Indizes als auch auf einzelne Länder oder gar Branchen. 

Ein Engagement hätte sich in den vergangenen Monaten mehr als gelohnt. Der MSCI Emerging Markets läuft seit Jahresbeginn deutlich besser als der Weltaktienindex MSCI World. Nach einer längeren Durststrecke legte der Schwellenländer-Index im ersten Halbjahr um fast 25 Prozent zu, der Weltaktienindex schaffte „nur“ knapp zehn Prozent. „Rückenwind brachten zeitweise der schwächere US-Dollar, die Erwartungen an sinkende Zinsen und eine gewisse Stabilisierung in China“, so Hofmann. Vor allem aber der starke Fokus auf KI hat Märkte wie Taiwan und Südkorea, die gemeinsam mittlerweile 50 Prozent des Indizes ausmachen, unterstützt. Ob das aber so weitergeht? Kurzfristige Marktbewegungen lassen sich im Nachhinein oft erklären, sind aber kaum verlässlich vorherzusagen. „Für Anleger ist deshalb weniger entscheidend, einzelne Phasen richtig zu timen, sondern langfristig breit diversifiziert investiert zu bleiben“, betont die Vanguard-Expertin. „Für Emerging Markets zeigen unsere Kapitalmarktannahmen langfristig weiterhin attraktive Renditeerwartungen, wenngleich bei höherer Volatilität.“

Doch die Investment-Story hat sich verändert, und mit ihr die Chancen und Risiken. Galten die Schwellenländer früher vor allem als eine Wette auf Rohstoffe, günstige Arbeitskräfte und hohes Wirtschaftswachstum, sind die Kurstreiber mittlerweile technologische Innovationen, Digitalisierung und Infrastruktur. Zu den Chancen zählen mehrere strukturelle Faktoren. Viele Schwellenländer verfügen über vergleichsweise junge Bevölkerungen, wachsende Mittelschichten und steigende Kaufkraft. Das kann langfristig Konsum, Investitionen und Wirtschaftswachstum unterstützen. Hinzu kommen die Innovationen, die Produktivität und Unternehmensgewinne in einzelnen Märkten stärken können.

Gleichzeitig sollten Anleger die Risiken nicht unterschätzen. „Emerging Markets reagieren häufig empfindlicher auf globale Konjunktur-, Zins- und Kapitalmarktentwicklungen“, sagt Hofmann. Dazu kommen geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Währungsschwankungen, regulatorische Eingriffe und teilweise schwächere Corporate-Governance-Standards. Diese Risiken sprechen aber nicht gegen Schwellenländer-Aktien im Portfolio. Sie unterstreichen vielmehr, dass Anleger verstehen müssen, in was sie investieren.

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