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Kolumne: Wissen ist Rendite

Von Jessica Schwarzer 20/01/2026
Credit: unsplash
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Jessica Schwarzer ist leidenschaftliche Aktionärin, Finanzjournalistin und Autorin mehrerer Börsenratgeber. Hier schreibt sie ab jetzt über den smarten Umgang mit Geld. In Folge 1 ihrer Kolumne erklärt sie, warum man sich – trotz versierter Beratung – selbst auskennen sollte

Schon als Kind bin ich von Bank zu Bank geradelt und habe Zinsen verglichen. Mit Anfang 20 habe ich meine erste Aktie gekauft. Es folgten viele weitere. Wenn ich ehrlich bin, habe ich in meinen ersten Jahren mächtig gezockt. Und ich habe auch Lehrgeld bezahlt. Das passiert, wenn man viel zu hohe Risiken eingeht. Aus der waghalsigen Spekulantin ist aber längst eine langfristig denkende Investorin geworden. In meinen ersten Börsenjahren habe ich viele Fehler gemacht und aus ihnen gelernt. Der Börse bin ich immer treu geblieben, auch nach meinem ersten, schmerzhaften Crash. Heute lege ich mein Geld breit gestreut und mit langem Anlagehorizont an. So reduziere ich das Risiko und profitiere von den guten Renditen. Langfristig bringen Aktien bei breiterer Risikostreuung nämlich durchschnittliche Renditen von bis zu acht Prozent pro Jahr, trotz aller Kursrücksetzer – und sogar Crashs.

Auf Aktien sollte deshalb niemand bei seinem Vermögensaufbau verzichten. Sie sind ein wichtiger Baustein, auch und vor allem auf dem Weg zu finanzieller Freiheit. Natürlich bedeutet finanzielle Freiheit für jeden etwas anderes. Für mich bedeutet es vor allem, dass ich keine Angst vor Altersarmut haben muss. Und dass ich auch in den Jahren und Jahrzehnten zuvor möglichst unabhängig entscheiden kann. Gerade Frauen begeben sich oft in eine finanzielle Unmündigkeit und sind diesbezüglich nicht wirklich selbstbestimmt. Sie machen sich unnötig abhängig von Partnern, anderen Familienmitgliedern, manchmal auch von Finanzberatern. Ich will autonom über meine Finanzen entscheiden, was nicht heißt, dass ich gänzlich auf den Rat von Experten verzichte. Aber finanzielle Freiheit bedeutet für mich auch, dass ich flexibel bleibe. Und das kann ich nur gewährleisten, wenn ich selbst etwas davon verstehe, wenn ich Chancen und Risiken einschätzen kann. Allzu oft wird man nämlich in eine Richtung beraten, die einen an langfristige Verträge fesselt. Ist ja auch weniger Aufwand, als maßgeschneiderte Lösungen zu bieten. Beim Thema Altersvorsorge kommt man darum natürlich nicht ganz herum, aber ein Großteil meines Vermögensaufbaus lässt mir große Flexibilität.

Meine Aktienquote ist mit 80 Prozent ziemlich hoch. Ich setze stur die chancenorientierte Strategie aus meinem Buch »Erfolgreich investieren mit den besten Börsenstrategien« um. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf sichere bis sehr sichere Staats- und Unternehmensanleihen. Das ist so eine Art Ruhekissen und dämpft in stürmischen Zeiten die größeren Schwankungen ab. Ich investiere mit hoher Risikostreuung und setze dabei auf börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) – also auf Hunderte Aktien und Anleihen. Über ETF-Sparpläne fließt jeden Monat Geld in vier verschiedene Aktien-ETFs. Einmal jährlich stocke ich auch die Anleihen auf, damit sie wieder den gewünschten Depotanteil haben. Ich könnte jederzeit Anteile verkaufen, wenn ich eine größere Geldsumme bräuchte – wofür auch immer. Das geht quasi in Echtzeit über die Börse, ist mit ein paar Klicks erledigt und kostet bei meinem Onlinebroker kaum Gebühren. Das ist Flexibilität, wie ich sie mag, auch wenn ich grundsätzlich langfristig anlege.

Eine Aktienquote von 80 Prozent ist sportlich, keine Frage. Vielen wäre das zu viel. Schließlich bin ich mit meiner Liebe zur Börse leider eher allein. Die Deutschen meiden Aktien. Nur jeder sechste Bundesbürger investiert in Aktien, Aktienfonds und Aktien-ETFs. Ich würde mir wünschen, es wären mehr. Leider gibt es viele Vorurteile: Die Börse sei ein Casino, Aktien seien gefährlich, Privatanleger verlören sowieso und überhaupt sei das Ganze so furchtbar kompliziert. Aber das stimmt alles gar nicht. Im Gegenteil. Doch die Vorurteile halten sich hartnäckig. Die Folge? Viele wissen zu wenig über Finanzen, kümmern ich nur widerwillig um Geldangelegenheiten und um den Vermögensaufbau ohnehin nur unzureichend. Irgendwie absurd, gerade ob der Wichtigkeit; bei unserer Ernährung wollen wir doch auch alles ganz genau wissen und bei der Urlaubsplanung stört es uns auch nicht, stundenlang zu recherchieren. Sich selbst auszukennen ist also nicht nur nice to have, sondern essenziell. Allein schon, um die richtigen Fragen zu stellen. Und um die Nerven zu behalten, wenn es mal wieder kräftig ruckelt an den Finanzmärkten. Es ist die Grundlage, um den eigenen Weg zu finden, um finanziell möglichst unabhängig, frei und flexibel zu sein – da gibt es nämlich keine Pauschallösung. Und um zu wissen, was das Geld so macht. Denn, glauben Sie mir, das ist ein verdammt gutes Gefühl.

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