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FASHION

Yayoi Kusama x Louis Vuitton

Von Online Redaktion 04/05/2023
Credit: Louis Vuitton

Louis Vuitton und die japanische Künstlerin Yayoi Kusama erneuern ihre Zusammenarbeit. Und die bunten Tupfen der aktuellen Kollektion machen die Träger:innen zum Teil eines weltumspannenden Kunstwerks.

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Louis Vuitton und die japanische Künstlerin Yayoi Kusama erneuern ihre Zusammenarbeit. Und die bunten Tupfen der aktuellen Kollektion machen die Träger:innen zum Teil eines weltumspannenden Kunstwerks.

Eines Tages betrachtete ich vor mir das rote Tischtuch mit dem Blumenmuster, und plötzlich sah ich überall rote Blumen, an der Decke, an den Fenstern und Pfosten. Das Zimmer, mein Körper, das ganze Universum war mit roten Blumen übersät, und schließlich löste ich mich auf. Ich kehrte in die unendliche Weite der Ewigkeit und in die Absolutheit des Raums zurück, ich wurde reduziert. Das war keine Illusion, das war die Wirklichkeit. Ich war zutiefst erschüttert. Mein Körper war gefesselt in einem grauenerregenden Infinity Net.“ So erinnert sich die 1929 geborene japanische Künstlerin Yayoi Kusama in ihrer Autobiographie „Infinity Net“ (auf deutsch 2017 im Piet Meyer Verlag erschienen) an eine der halluzinatorischen Episoden ihrer Kindheit. 

Sie erlebte sich damals auch in einem Blumenfeld, das zu Großgärtnerei ihrer Familie gehörte inmitten abertausender Veilchen, von denen jedes ein individuelles Gesicht hatte und mit menschlicher Stimme zu ihr sprach. Oder sie verlor sich in ihrer Heimatstadt Matsumoto, die ihr urplötzlich völlig fremd erschien stundenlang ohne jede Orientierung. Psychologische Hilfe gab es für das kleine Mädchen nicht. Die Reaktion des Kindes: alles was über es hereinbrach zu zeichnen und zu malen, die Eindrücke zu bannen bevor sie verschwanden. Bereits mit zehn Jahren zeichnete sie Szenen, die mit Punkten, ihrem späteren Markenzeichen übersät waren. „Das Zeichnen beruhigte mich, ich erholte mich von meinem Schreck und meiner Furcht. Das ist der Ursprung meiner Bilder,“ schreibt sie in „Infinity Net“. Es ist der Urgrund eines der fesselndsten und bedeutendsten Œuvres der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. 

Gegen den Willen ihrer konservativen Familie wurde sie Künstlerin. 1959 kam sie nach New York. Dort entstanden Gemälde netz- oder punktartiger Strukturen. Mit Skulpturen und Objekten, die von weichen phallischen Gebilden überwuchert werden erregte sie bald Aufsehen. Sie schuf komplett verspiegelte Räume, die Unendlichkeit spürbar machen. Ende der 1960er kreierte sie auch Mode, die – hippiesk und manchmal busenfrei – ebenso provokant war wie ihre Performances, deren Teilnehmer:innen an öffentlichen Orten nackt agierten. Dabei bemalte Kusama sie mit bunten Punkten, eine Aufforderung eins mit der Natur zu werden, sich selbst auszulöschen und in die Ewigkeit zu transzendieren. Die Angst vor der eigenen Auflösung aus ihrer Kindheit hatte sie in etwas Positives verwandelt. Das kombinierte sie mit politischen Botschaften gegen Krieg und Ausbeutung und 

für universelle Liebe. Schon 1968 vollzog sie als „Oberpriesterin der Punkte“ ihrer „Kirche der Selbstauslöschung“ die Trauung eines homosexuellen Paares und entwarf aus diesem Anlass für die beiden Männer ein Kleid für zwei. 

1973 ging sie zurück nach Japan und zog 1977 auf eigenen Wunsch in eine psychiatrische Klinik, in der sie bis heute lebt. Mit ihrer Krankheit ging sie immer offen um. Kusamas „Wiederentdeckung“ setze um 1990 ein, 1993 vertrat sie Japan auf der Biennale in Venedig, 2006 erhielt sie den als „Nobelpreis der Künste“ bekannten Praemium Imperiale in der Sparte Malerei und 2017 wurde für ihr Werk in Tokio ein eigenes Museum eröffnet.
Bereits 2012 war Kusama eine Zusammenarbeit mit Louis Vuitton eingegangen. Ihre Punktmotive schmückten Taschen und Accessoire des Labels. Jetzt kam es zu einer Neuauflage dieser Kooperation. Diesmal noch intensiver
und handwerklich anspruchsvoller, knüpft sie an das Projekt von 2012 an. Damals hatte Yayoi Kusama einen ikonischen Louis Vuitton-Koffer mit ihren charakteristischen Tupfen bemalt, die für sie die Unendlichkeit darstellen. Für die Linie „Painted Dots“ der aktuellen Kollektion wurden diese Punkte in einem aufwändigen Verfahren exakt nachgebildet – ihre Farben, ihre Dichte ihr haptisch erlebbarer Pinselstrich. Sie wirken wie von Kusamas Hand selbst aufgetragen. Die Künstlerin begleitete und kontrollierte den Prozess und be- stimmte millimetergenau die Positionierung der Punkte auf allen Modellen. Auch auf Flakons und Packages von Düften wie „Attrape-Rêves“ oder „Spell on You“ sind Painted Dots zu finden. Und in der Line „Metal Dots“ werden erstmals die verspiegelten Bälle aus Kusamas berühmter Arbeit „Narcissus Garden“ von 1966 zitiert – als silbrig glänzende kleine Sphären schmücken sie einige Taschen.
Sogar im Kontext der hochklassigen Künstler:innenkooperationen von Louis Vuitton, zu denen solche mit Jeff Koons oder Takashi Murakami zählen, sticht Kusamas Edition heraus. Es geht nicht darum, Kunst waerable zu machen, vielmehr werden die Träger:innen dieser Kleidung und Objekte selbst zu einem Teil von Kusamas Werk, zu einem Element des „Infinity Net“. Indem sie die Punkte, die für Kusama das Aufgehen in diesem universalen, alles umfassenden Netz bedeuten in die Welt tragen treten auch sie darin ein.