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Im Interview mit Drunk Elephant Gründerin Tiffany Masterson

Von Pia Scheiblhuber 30/10/2020
Credit: Juli Soefer

Wer seine Brand wie TIFFANY MASTERSON Drunk Elephant nennt, zeigt nicht nur Witz, sondern beweist auch sein Gespür, den NERV UNSERES BEAUTY- ZEITALTERS zu treffen.

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Tiffany Masterson kreierte mit Drunk Elephant eine Brand mit leichtherzigem Storytelling und cleane Skincare-Produkte, die einen tollen Job für die Haut machen.

Es war eine der aufregendsten Beauty-News des letzten Jahres: Shiseido kauft Drunk Elephant. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Um ganz ehrlich zu sein: gar nicht! Und das war mir bei dieser Partnerschaft auch so wichtig. Ich wollte Drunk Elephant nicht an eine neue Situation anpassen müssen, wollte das Team und unser Indie-Brand- Image beibehalten. Schließlich ist genau das der Schlüssel unseres Erfolgs.

Drunk Elephant ist eine „clean compatible“ Marke. Was bedeutet das genau?

Für die meisten Beauty-Brands bedeutet clean, dass sie Inhaltsstoffe verwenden, die dem menschlichen Organismus auf gar keinen Fall schaden können. Ich möchte mit „clean compatible“ aber noch einen Schritt weitergehen, indem die Inhaltsstoffe zudem die Hautgesundheit und -regeneration unterstützen, ohne Probleme auszulösen. Im Gegensatz zur Mehrheit der Clean-Beauty-Brands verwenden wir deshalb zum Beispiel auch keine essenziellen Öle.

Essenzielle Öle gehören zu den „Suspicious 6“, den sechs Inhaltsstoffen, auf die Sie bei Drunk Elephant konsequent verzichten.

Ja, genau. Unsere Philosophie beruht darauf, auf Inhaltsstoffe, die das Potenzial haben, Hautprobleme auszulösen, komplett zu verzichten. Neben essenziellen Ölen sind das Alkohole, das Tensid SLS (Sodium Lauryl Sulfate), jede Art von Silikon sowie Parfums, Farbstoffe und chemische UV-Filter. Sie alle können zu Irritationen, Trockenheit und Pickeln führen und sind deshalb in jeder Formulierung verdächtig.

Wie sind Sie zu dieser Skincare-Philosophie gekommen?

Bevor ich die Brand 2012 gründete, habe ich Bar Cleanser verkauft, also Gesichtsreiniger in fester Seifen- form. Viele meiner Kunden kamen mit Produkten zu mir, die ihren Hautzustand verschlechterten, und fragten nach Rat. Also sah ich mir die Inhaltsstoffe genau an und merkte schnell, dass die „Suspicious 6“ immer wieder auftauchten.

Sie leben und arbeiten in Ihrem Haus in Houston. Haben Sie nie das Verlangen verspürt, in eine Stadt mit einflussreicher Beauty-Szene zu ziehen?

Nein, das kam nie infrage. Meine Leute sitzen in New York und Los Angeles, da brauche ich selbst nicht dort zu sein. Außerdem schaue ich nicht viel nach anderen Brands, bei mir entscheidet immer mein Bauchgefühl. Im Homeoffice fühle ich mich mit meinem Zuhause verbunden und kann abends nach der Arbeit für meine Familie kochen. Am liebsten Comfort Food mit gesunden Zutaten wie Spaghetti mit Fleischbällchen. Aber nie nach Rezept.

Auch mit den Skincare-Produkten kreieren Sie Ihre ganz eigenen Rezepte: Die Beauty-Smoothies sind Kern der Drunk Elephant Routine. Welche Idee steckt dahinter?

Bei uns gibt es weder Pflege-Steps noch Layering, die Produkte werden stattdessen gemixt. Das funktioniert, weil alle unsere Produkte bioverfügbar sind und kein Inhaltsstoff die Wirkung eines anderen verhindert. Oft heißt es ja: Erst das Produkt mit der leichten Textur auftragen, dann das mit der cremigen. Und nach jedem Step fünf Minuten warten. Dafür habe ich zum Beispiel gar keine Zeit.

Könnten Sie sich vorstellen, auch mal eine Make-up-Linie zu entwerfen?

Bisher habe ich nicht darüber nachgedacht. Aber ich würde es nicht ausschließen. Nun, da uns das Innovationspotenzial und die Farbexpertise von Shiseido zur Ver- fügung stehen, könnte es absolut interessant sein, mit Make-up zu experimentieren. Also mal sehen, was noch kommen wird …

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