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REISEN & SPA

En Famille – das Castello di Reschio

Von Online Redaktion 06/05/2022
Credit: PR
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In den sanften Hügeln von Umbrien restaurieren der Architekt Benedikt Graf Bolza und seine Frau Nencia eine mittelalterliche Festung, das Castello di Reschio. Mit Stilgefühl und Hingabe verwandeln sie es in ein Refugium von stiller Noblesse. Als es fertig ist, zieht die Familie in ein Bauernhaus um und überlässt das Schloss Hotelgästen. Was für ein Glück!

Fünfzehnhundert Hektar bewaldete Hügel gleich hinter der toskanischen Grenze, hie und da Fundamente verlassener Bauernhäuser, eine kleine Pfarrei – so sah das Anwesen aus, in das sich Antonio Graf Bolza und seine Frau Angelika 1994 verliebten. Die Familie hatte Ungarn nach dem Krieg verlassen müssen, all ihre Besitztümer aufgegeben und war nach Deutschland gezogen. Ihre Wurzeln aber lagen eigentlich in Italien. Deshalb wollten sich der Kunstbuchverleger und die Architektin hier wieder etwas aufbauen. Ein Stück Heimat in diesem ihnen unbekannten Land. Sie ahnten nicht, dass sie damit eines der ehrgeizigsten Sanierungsprojekte Mittelitaliens anstoßen würden.

Als Chefrestaurator engagieren sie ihren Sohn Benedikt, der in London Architektur studierte. Mit Feinsinn und Akribie arbeitet er die steinernen Bauernhäuser auf. Oft waren von ihnen nichts als Ruinen geblieben. Die Familie verkauft die Immobilien nach und nach an Kunden aus aller Welt. Nur an das Herzstück des Landbesitzes traut sich der Architekt lange nicht heran: das Castello aus dem 10. Jahrhundert. Wie viele andere Adelssitze in Umbrien wurde die mittelalterliche Burg auf einem Hügel erbaut, um weit über die Eichenwälder und terrakottafarbenen Dörfer hinweg sichtbar zu sein.

Zunächst zieht Benedikt Graf Bolza selbst hier ein, mit seiner Frau Nencia. Sie haben sich auf Reschio kennengelernt. Nencia, Tochter aus florentinischem Adel, war als Freskenmalerin gekommen. Elf Jahre lang leben sie in der Burg, es gibt keine Heizung, und es regnet durchs Dach. Das Paar heiratet, bekommt ein, zwei, drei, vier, fünf Kinder. „Wir hatten eben keinen Fernseher“, kokettieren die beiden, die mittlerweile in einem nahe gelegenen Bauernhaus wohnen. Denn sie hatten schon immer geplant, die Festung in ein Hotel zu verwandeln. Dank der Unterstützung eines stillen Teilhabers, der die Restaurierung finanzierte, bekam das Paar 2011 schließlich die Chance dazu.

Eine Dekade später begrüßt das Castello di Reschio die ersten Gäste. Mit nur 36 Zimmern – 30 im Schloss, sechs nahe der Pfarrkirche San Michele – verströmt das imposante Bauwerk eine intime Atmosphäre, die viele Schauspieler und Modeleute anzieht. Noch gilt es vielen als Geheimtipp. Wer das Castello betritt, wundert sich nicht, dass Benedikt Bolza mehr als 20 Jahre von der Planung bis zur Umsetzung brauchte: Vom Dachbalken bis zum Diwan stammt hier alles aus seiner Feder. Selbst die Espressomaschine in der Suite ist eine Maßanfertigung.

Ländlich: Auf dem Anwesen von Reschio wohnen auch die Andalusier-Pferde von Antonio Graf Bolza. Gäste können Reitstunden nehmen oder sich bei Ausritten begleiten lassen. Das Castello ist das Herzstück einer großen Länderei mit Bauernhöfen, die das Besitzerpaar nach und nach restauriert und verkauft hat

Mit ihrer fein austarierten Mischung aus zeitgenössischem und antikem Dekor, Materialien aus der Region, maßgefertigten Möbeln, kräftigen Farben und, ganz wichtig, sehr viel Sonne sind die Suiten wahre Wunderkammern, gespickt mit Gemälden und Kuriositäten von Antiquitätenmärkten aus der Umgebung. „Stil entsteht mit der Zeit“, sagt Bolza. „Wir wollten das Gefühl vermitteln, als wäre das Schloss über die Jahrhunderte hinweg gewachsen.“ Die Suiten sind mit Terrakotta- oder Holzböden ausgestattet, handgefertigte Leinenvorhänge und Messingwaschbecken betonen die historische Substanz. Kunstvolle Verzierungen akzentuieren die Möbel, darunter Trompe-l’Œils von Nencia.

Das Castello di Reschio ist ein Refugium der Ruhe. „Das Schöne an dem, was wir hier machen? Dass wir uns Zeit für die Dinge nehmen“, sagt Bolza. Das gilt auch für die Küche. Auf der von Feigenbäumen gesäumten Terrasse des Restaurants Al Castello, gleich neben den Andalusier-Stallungen von Benedikts Vater, werden hausgemachte Pasta und Produkte aus eigenem Anbau serviert. Aus einem der ehemaligen Innenhöfe des Schlosses wurde ein glasüberdachter Palmenhof, der viktorianischen Wintergärten nachempfunden ist. Was für ein Genuss, mit einem Negroni in der Hand in die üppigen Samtpolster der Fauteuils zu sinken.

Im ehemaligen Weinkeller des Schlosses findet sich heute ein Spa im Stil eines römischen Badehauses mit Hammam, Tepidarium – einer milderen Sauna-Version – und Tauchbecken. Draußen fügt sich ein eleganter ovaler Swimmingpool leise in die Landschaft ein. Nicht einmal Strommasten verstellen den Blick über die Hügel, die elektrischen Leitungen wurden unterirdisch verlegt. Es gibt Orte, die wie aus der Zeit gefallen sind. Reschio ist einer der schönsten davon.