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Spa & Wellness

Eintauchen in Japans Baderituale

Von Regina Stahl 02/05/2020
Credit: PR
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Jüngst wurde das dritte Aman Hotel in Japan eröffnet. Regina Stahl reiste in die alte Kaiserstadt Kyoto, um traditionellen Charme jenseits von Hightech-Innovationen zu entdecken. Und den Ursprung der Spa-Kultur, nämlich japanische Reinigungs-Zeremonielle, zu genießen.

Nicht umsonst gelten Japaner als strenges Volk: In ihrem Land heißt es, Reglements und Rituale einzuhalten. Dazu gehört, dass man beim Betreten privater Räumlichkeiten – dazu zählen auch Hotelzimmer und der Spa-Bereich – als Erstes die Schuhe auszieht. Auch im Badezimmer herrschen eigene Gesetze: Neben meiner Wanne im Aman, die einem riesigen recht- eckigen Holzzuber gleicht (auch zu zweit hätte man bequem Platz), steht ein Tischchen mit einem Kräutersäckchen und einer Anleitung für das „Japanese Bathing Ritual“. Unmittelbar vor dem Bad sollte man weder Essen noch Alkohol konsumieren, dafür aber reichlich Wasser trinken, um eventueller Dehydrierung vorzubeugen. Während sich die Wanne langsam füllt und die Kräuter ihre Aromen entfalten, beginnt die eigentliche Reinigung unter der Dusche. Denn der Japaner genießt das Wannenbad zur Entspannung, nicht zur Säuberung. Finde ich überzeugend, denn es gibt wirklich nichts Schöneres, als im warmen, wohlduftenden Wasser vor sich hin zu dösen und zu spüren, wie sich die Muskulatur nach dem doch weit mehr als zehnstündigen Flug langsam entspannt.

Die Shiatsu-Massage regt den Energiefluss an

Jetzt bin ich bereit für mein erstes Treatment: eine Shiatsu-Massage, bei der man eine Art Pyjama trägt. Mit Fingern und Handballen wird Druck auf Schultern, Nacken, Rücken und Beine ausgeübt, um den Energiefluss anzuregen und den Abbau von Blockaden zu fördern. Meine haben sich vor allem im Nacken-Schulter-Bereich eingenistet, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich schon mitunter ein „Autsch“ nicht unterdrücken kann. Ich überlasse mich den kundigen Griffen des Shiatsu-Meisters Mr. Takaoka und nehme mir vor, nach einem Pendant in München zu suchen.

Japanische Gaumenfreuden in zehn Gängen

Am frühen Abend entschließe ich mich, in die typisch japanische Esskultur einzutauchen, die weitaus differenzierter ist als übliche Sushi- und Sashimi-Favoriten. Im Taka-An werden ausschließlich bis zu zehngängige Tasting Menus serviert, zu denen man unterschiedliche Weinempfehlungen, auch japanischer Provenienz, probieren kann. Die Gerichte werden für alle Gäste sichtbar zubereitet. Besonders in Blumenform geschnittene Gemüseteilchen faszinieren mich derart, dass ich sie kaum zu essen wage. Vieles schmeckt für europäische Gaumen ungewöhnlich, aber in jedem Gang entdecke ich ein Highlight. Den zweiten Tag begrüße ich im japanisch-international ausgerichteten Restaurant The Living Pavilion mit einem eher europäischen Frühstück. Man kann dort nur à la carte bestellen, und ich erfreue mich an Avocado und Rührei, dazu einen frisch zubereiteten Ingweraufguss mit Honig.

Onsen-Ritual zur Entschleunigung

Danach heißt es: Auf ins nächste Spa-Vergnügen, das ich mit einem Onsen-Ritual beginne. Onsen sind warme Quellen, deren ursprüngliche Temperatur von circa 20 Grad auf 45 Grad angeheizt wird. Das Aman bietet, getrennt für Männer und Frauen, je zwei Varianten: ein Indoor- Becken und eine Art See, von Felsen umgeben und überdacht. Mein Schönstes: dort relaxen, während über mir der Regen trommelt. Es gelten ähnliche Regeln wie im Badezimmer: Eintritt barfuß, dann im Sitzen mit Seife und Wasser waschen, anschließend etwa zehn Minuten im heißen Wasser liegen, nicht planschen oder schwimmen. Denn das Ziel ist Entschleunigung. Bevor ich es vergesse: Badeanzug oder Bikini kann man zu Hause lassen, alle sind nackt.

Massagen nach Geisha-Ritualen

Danach bin ich bereit für eine 90-minütige „Signature Spa Journey“, bei der Therapeutin Coco, die eigentlich Hiroko heißt, meinen Körper nach überlieferten Geisha-Ritualen massiert. Beginn eines jeden Treatments ist ein Fußbad, bei dem das Wasser mit Sake, 24-karätigen Goldflocken, japanischem Meersalz und Reiskleieöl angereichert wurde. Danach wird inhaliert: mit Extrakten aus grünem Tee, japanischem Apfelschaumwein und Ingwer. Und dann: Genuss pur, so herrlich, dass ich – natürlich jetlagbedingt – zwischendurch einschlafe. Und wie neugeboren aufwache.

Heiliger Berg und Goldener Pavillon

Nun ist es an der Zeit, das Resort zu erkunden: Das Aman Kyoto liegt etwa 30 Taximinuten vom Stadtzentrum entfernt in einem Villenviertel, das Takagamine heißt. Das 32 Hektar große Gelände gehörte dem inzwischen verstorbenen Mr. Asano, der früher aufwendige Gürtel für Kimonos herstellte. Vor rund 60 Jahren ließ er dort einen privaten Garten errichten: Höhlen mit glasklarem Wasser, Felsfundamente, Lotusteiche, Picknick- Plateaus, Zen-Stationen für Meditation sowie unzählige Ahornbäume existieren noch heute in ursprünglicher Form. Von den meisten vom klassischen Ryokan-Stil inspirierten Appartements hat man einen Blick auf den heiligen Hiei-Berg, auf dem zahlreiche Tempel errichtet wurden. Eine besondere Sehenswürdigkeit, vom Hotel bequem mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen: der sogenannte Goldene Pavillon, Kinkaku-ji, dessen Außenwände tatsächlich mit reinem Gold plattiert sind. Ein weiteres Must: das alte Vergnügungsviertel Gion. Hier kann man noch einer echten Geisha – in Kyoto wird sie Geiko genannt – begegnen. Beste Reisezeit: Kirschblüte Ende März bis Mitte April. Oder im Herbst, wenn sich
die Ahornbäume dunkelrot verfärben.

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