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KOLUMNEN

Hair Days – in guten wie in schlechten Zeiten

Von Regina Stahl 05/02/2020
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Die Suche nach dem richtigen Blondton, Dauerwellen-Dramen, Pony-Experimente und am liebsten alles im Nacken zusammengebunden: Regina Stahl ist mit dem Eigenleben ihrer Haare bestens vertraut.

Wie oft habe ich mich nach einer guten Fee gesehnt, die mir meinen Wunsch nach einer üppigen Mähne erfüllt. Einfach nur lässig den Kopf schütteln, die glänzende Pracht mal nach links oder rechts schwappen lassen, ganz beiläufig einen Knoten zusammentwisten, um ihn kurze Zeit später kaskadenartig über den Rücken gleiten zu lassen. Aber das ist bei mir nicht drin. Meine Herren, ich muss Sie leider enttäuschen – bei mir gibt es nichts zu wühlen! Wer es gut mit mir meint, vergleicht meine Haare mit Seide oder Kaschmir. Ich nenne sie Schnittlauch. Bloß besser duftend. Und auf keinen Fall grün.

Als Kind war ich hellblond, mit feinen, aber langen Haaren, die mir meine Mutter meist zu einem Pferdeschwanz band, was mich für mein späteres Leben prägen sollte. Da sich der ursprüngliche Goldton im Laufe der Zeit in eine Asche-Nuance wandelte, die lediglich durch Sommersonne zu neuem Leben erweckt wurde, experimentierte ich als Teenager gern mit einem farbauffrischenden Festiger. Weil ich den Traum von einer üppigen Mähne endlich in die Realität umsetzen wollte, war mein sehnlichster Wunsch ein Haarteil, mit dem ich auch sehr geschickt umgehen konnte. Die Ende der Sechzigerjahre so angesagten Samtschleifen halfen, den Übergang von eigenem zu angestecktem Haar perfekt und kokett zu kaschieren. Bis zu dem damals schwärzesten Tag meines Lebens: Da wir ja damals alle abends rauchten, musste auch das Haarteil mal durch eine Wäsche erfrischt werden. Lauwarmes Wasser in die Badewanne füllen, etwas Shampoo dazugeben, dann das Haarteil ein paarmal hin- und herschwenken und auf einem Handtuch trocknen lassen, hatte mir meine Friseurin empfohlen. Doch dazu kam es gar nicht erst: Nach zweimaligem Schwenken zogen sich die Haare zu einer Akopadsartigen Masse zusammen, die sich nie mehr entwirren ließ. Angeblich war das Haarspray schuld …

Anfang der Siebziger zog ich von Berlin nach München und landete in der Zeit der luftgetrockneten Dauerwelllen. Sah auf Fotos toll aus, weil ich alles, was ich an Haar besaß, von hinten nach vorne schob. Doch längerfristig und fürs tägliche Leben war das auch keine Lösung. Auch ein eher trauriges Stufenschnitt-Experiment à la Farrah Fawcett brachte mich nicht weiter. Also wechselte ich von Uni-Blond zu Strähnchen, weil sie feines Haar angeblich fülliger aussehen lassen sollten. Ich agierte abwechselnd mit heizbaren Lockenwicklern, Glätteisen, Rundbürsten und fand mich einfach nur doof. Kurze Abwechslung brachte eine Pony-Variante meines Friseur-Freundes Gerhard Meir, die zwar frisch frisiert ganz cool aussah, sich aber im Nachhinein als Flop erwies: Da meine feinen Haare nicht über genügend Eigengewicht verfügten, bauschte sich mein neuer Stirnvorhang bei jedem Windzug wie ein verunglückter Hahnenkamm nach oben.

Fortan beschloss ich, weniger nach mehr aussehen zu lassen. Sprich: meine Haare zum Dutt oder Chignon zusammenzubinden und dabei das Gesicht weitgehend frei zu lassen, was mir zu Glück auch steht und mittler- weile eine Art Markenzeichen geworden ist. Und was sich vor allem als superpraktisch für mein geliebtes Hobby Reiten erwies. Meine frühere Chefredakteurin Angelica Blechschmidt bemerkte zwar kopfschüttelnd: „Wie kann man sich von einem Pferd nur eine Frisur aufoktroyieren lassen“, aber ich war auf dem besten Weg zu meinem ganz persönlichen Stil, der mir bis heute geblieben ist. Und was den Farbton anbelangt: Seit drei Jahren bin ich ganz Natur, weil ich mal sehen wollte, ob ich nun grau, weiß oder sonst was werde. Ergeben hat sich ein aschig-blondes und zum Glück glänzendes Strähnengemisch. Wenigstens in diesem Fall hat es Mother Nature gut mit mir gemeint …

Illustration: Jasmin Khezri

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