Bon Appétit & santé: Regina Stahl über Essen und Genuss - séduction Magazin
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Bon Appétit & santé: Regina Stahl über Essen und Genuss

Von Regina Stahl 25/12/2021
Credit: Pexels
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Endlich wieder genießen und im Restaurant essen dürfen – nach Covid-bedingten Entbehrungen ein wohl verdientes Vergnügen. Umso mehr irritiert es, wenn Unverträglichkeiten die Menüfolge diktieren. Regina Stahl hat sich ein paar Gedanken gemacht.

Probleme mit dem Essen gab es schon immer. „Nein, meine Suppe ess´ ich nicht“, lamentierte bereits der Suppenkaspar im 1845 erschienenen Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann. Ich selber erlebte diese an Bulimie grenzende Mäkelei in meinen Jahren als Teenagerin – heute wird gerannt und gesportelt, was das Zeug hält, damals reduzierten wir unsere Nahrungsaufnahme auf ein Minimum, um ja kein Gramm zu viel auf die Waage zu bringen. Twiggy, das Zweiglein-dürre Topmodel, war meine Inspiration…

Zum Glück neige ich nicht zum Zunehmen, muß aber in diesem Zusammenhang betonen, daß ich mich sehr bewußt ernähre. Keine ganze Packung, sondern eine Praline am Tag. Kuchen? Nur wenn ich eingeladen bin und er selbst gebacken wurde. Dasselbe gilt für Pasta (würde ich mir nie selbst kochen), Saucen (lasse ich mir immer separat servieren, damit ich die Menge dosieren kann). Lediglich Suppen esse ich speziell in den kälteren Monaten sehr gern, allerdings lieber in Consomé- oder Bouillon-Variationen als in cremiger Substanz – am heimischen Herd frisch zubereitet, weil ich die Zutaten dann selbst bestimmen kann. Im Restaurant bestelle ich gern  Fisch, am liebsten gedünstet, mit zerlassener Butter und Sahnemeerrettich. Wird er gebraten serviert, trenne ich als erstes die Haut ab. Aus diesem Grund bin ich auch kein Fan von Wiener Schnitzel – Paniertes war noch nie meins und hatte mir in einer Kindheit echte Magenprobleme bereitet. Inzwischen ist ja erwiesen, daß bei 50% aller Kinder Unverträglichkeiten auftreten, die sich aber im Erwachsenenalter auf 30% reduzieren können. Ab und zu esse ich auch ein gutes Stück Fleisch. Das kann ein gesottener Tafelspitz sein. Oder ein zartes Filet, Medium-rare gebraten. Aber die entsprechende Sauce bitte immer by Side serviert! Ein- bis zweimal pro Woche lege ich einen Salat- oder Gemüsetag ein – einfach, um mein kulinarisches Gewissen zu beruhigen.

Umso mehr wundere ich mich, wieviele Varianten von Unverträglichkeiten plötzlich kursieren. Vor allem bei jungen Frauen. Ist es denn notwendig oder gar chic, Vegetarierin oder Veganerin zu sein? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: ich habe selbst erlebt, daß Kolleginnen mit echter Nuss-Allergie plötzlich Erstickungs-Anfälle bekamen. Das respektiere ich total. Aber ich habe das Gefühl, daß „man“ mittlerweile doch sehr gern auf diesen Zug aufspringt – wird man dadurch interessanter? Selbstverständlich gibt es bestimmte Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Schalentiere, bestimmte Obst- und Gemüsesorten oder auch Mehle, die Allergien auslösen können. Nur bezweifle ich, daß der Großteil der zumeist weiblichen Personen, die im Restaurant die Speisekarte ausgiebig nach „Essensfallen“ untersuchen, auch entsprechende Tests beim Arzt absolviert haben. 

Ähnliches erlebt man auch bei der Wasser- Auswahl. „Still“ ist der Favorit, am liebsten in Zimmertemperatur. Diese Phase habe ich auch gelegentlich, vor allem im Sommer, weil man einfach mehr davon trinken kann. Trotzdem schmeckt ein Sprudel, optimal in der leicht abgeschwächten Variante „Medium“, einfach besser – oder würden Sie ein Glas Champagner zurückgehen lassen? Zum Glück sind sich da die Normalos, Vegetarierinnen und Veganerinnen einig: gegen ein Glas Wein – und sei es nur ein Schluck zum Anstoßen – war zum Glück noch niemand allergisch. Auf unsere wiedergewonnene Freiheit!