Frühjahrsputz für Haut und Haar – alle Jahre wieder? Kolumnistin Regina Stahl findet, dass wir in diesen Zeiten besonders viele Gründe haben, unsere beste Seite zu präsentieren.
Das mit dem Glänzen war nicht immer meine Sache. Meine Mutter war vernarrt in Sonnenöl und weil sie fand, dass es ihrer Haut so gut bekam, benutzte sie es das ganze Jahr über. Den Überschuss, den sie täglich an ihren Händen hatte, verteilte sie auf meinem Gesicht. Nicht gerade zu meiner Begeisterung, denn statt wie eine Speckschwarte zu glänzen, hätte ich mich viel lieber mit Nivea eingecremt – schon wegen des bis heute unvergleichlichen Dufts. Doch die Öl-Manie meiner Mutter setzte sich bis in meine Haarspitzen fort. Sie schwor auf nächtliche Packungen mit Rizinusöl, um Struktur und Glanz zu fördern. Also musste ich jeden Morgen eine Stunde früher als nötig aufstehen, um die klebrige Masse einigermaßen auszuwaschen. Aber immerhin mit sichtbarem Effekt: Meine eigentlich dünne und damit trockene Haut wirkte gut versorgt und meine Haare waren zwar keine üppige Mähne, bestachen aber durch ihren Glanz.
Als ich dann endlich erwachsen wurde und meine eigenen Beauty-Rituale entdecken konnte, verliebte ich mich zunächst in Puder. Mattieren – das war großartig nach all den glanzvollen Jahren. Allerdings stellte ich dann so mit 30plus fest, dass sich die Konsistenz schnell in den ersten Fältchen absetzte. Besonders wenn man viel und gerne lacht. Mittlerweile bin ich wieder schockverliebt in den Glow-Faktor. Ich finde sogar, dass eine leicht glänzende Haut jünger macht, als eine mattierte, die schneller welk und müde aussieht. Besonders in den Wintermonaten, in denen sich noch unvorteilhafte Blässe dazugesellt. Von der Pariser Luxus-Kosmetikmarke Sisley gibt es ein absolutes Zaubermittel: ein Öl aus den Essen-
zen der schwarzen Rose. Als ich Isabelle d’Ornano, Senior-Chefin des Konzerns, vor einigen Jahren interviewte, antwortete sie auf meine Frage, welches Produkt sie mit auf eine einsame Insel nehmen würde: „Huile Précieuse à la Rose Noire“.
Lange Jahre war ich auch skeptisch, ob Make-up wie etwa Lidschatten oder Blush Glanzpartikel enthalten dürfen, ohne provozierend zu wirken. Aber man lernt dazu, denn der Beauty-Industrie gelingt es heute immer besser, Konsistenzen herzustellen, die sich wirklich mit der Haut verbinden und sich nicht wie ein Film darauf absetzen. Da ich morgens zu leicht geröteten Lidern neige, habe ich jahrelang eine cremefarbene Pudergrundierung benutzt und darauf einen taupefarbenen Eyeshadow platziert. Beide Farben wurden leider plötzlich aus dem Sortiment genommen. Die Nachfolger hatten – Sie ahnen es bereits – einen leichten Perlschimmer. Doch aus never ever wurde forever, denn der diskrete Glanz schien meine Augen zu öffnen. Genauso wie ich den Glow-Effekt, den mittlerweile fast alle Blushs enthalten, inzwischen als ausgesprochen sexy empfinde. Wenn die Wangen leicht erhitzt wirken – wie nach einem zügigen Walk oder einer leidenschaftlichen Liebesnacht –, wirkt es wie ein Strahlen von innen.
Nun nähern wir uns ja zum Glück der wärmeren Jahreszeit, in der Strumpfhasser wie ich endlich wieder pure Haut tragen können. Wobei ich zugeben muss: Superzarte Strumpfhosen wie „Shelina 12den“ von Falke umhüllen die Beine wie mit einem Verwöhn-Schleier. Trotzdem habe ich auch hier meinen ganz persönlichen Glow gefunden: schimmerndes Öl für einen dezenten Sonnenteint. Zum Beispiel von Darphin, Jane Iredale oder Charlotte Tilbury. Und klar, natürlich kann man damit auch das Dekolleté zum Leuchten bringen …