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KOLUMNEN

Spas(s) at home

Von Regina Stahl 16/03/2020
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Unter der Vliesmaske bei Kerzenlicht und Champagner in der eigenen Badewanne vor sich hin träumen? Regina Stahl erwägt die Vor- und Nachteile von Do-it-yourself- und professionellen Beauty-Ritualen.

„Du hast nur eine Haut, also pass gut auf sie auf“, predigte meine Mut-
ter, wenn ich der Einfachheit halber nur mal so unter die Bettdecke schlüpfen wollte. Ich wurde angehalten, mein Gesicht morgens und abends gründlich zu waschen und anschließend einzucremen, vorzugsweise mit Nivea Creme. Der Begriff Spa, heute ein Beauty-Must für die ganze Familie (ja, es gibt tatsächlich schon Treatments für Kleinkinder), lag in den 50er-Jahren noch in weiter Ferne. Lediglich als Gertraud Gruber 1955 am Tegernsee Europas erste Schönheitsfarm eröffnete, entdeckten Frauen und wissbegierige Kinder wie meine beste Schulfreundin Gina und ich, dass es wohl noch andere Rezepte für schöne Haut geben musste. Nach gemeinsamer Erledigung der Hausaufgaben schlossen wir uns im Badezimmer ein, um uns gegenseitig Gurkenscheiben „zur Erfrischung des Teints“ aufzulegen. Oder wir schrubbten uns das Gesicht mit Seesand-Mandelkleie von Aok leuchtend rot – Vorläufer eines später „Peeling“ genannten Säuberungsprozesses.

Viel später dann – ich war bereits als Redakteurin für VOGUE tätig – durfte ich in die Welt der exklusiven Line Extensions eintauchen, die Profiprodukte für den Hausgebrauch beinhalten. Masken, Peelings, später dann rotierende Bürsten zur porentiefen Reinigung – der Begriff „Spa at Home“ hielt seinen Einzug in die Frauenmagazine. Mittlerweile war ich Beauty Director der deutschen VOGUE, und ich wurde nicht müde, Empfehlungen auszusprechen, wie man sich diese Jungbrunnen für zu Hause noch schöner gestalten könnte: leise Musik im Hintergrund, Kerzen rund um die Badewanne, Champagner in Reichweite – und man selbst in einem Algenbad (wer hilft beim Saubermachen?), mit einer dick aufgetragenen Maske auf dem Gesicht, womöglich noch eine klebrige Packung im Haar (die hinterher ja auch noch ausgespült werden muss) – und plötzlich klingelt der Postmann zweimal…

Überhaupt bin ich mittlerweile der Auffassung, dass derartige Treatments eigentlich nur etwas für Alleinstehende sind. Wer möchte sich am Wochenende, das man doch vorzugsweise mit seinen Liebsten verbringt, hinter einer Vliesmaske verschanzen, mit der man wie ein Bankräuber aussieht? Zudem die meisten dieser „Little Helpers“ derart mit feuchtigkeitsspendenden Substanzen getränkt sind, dass man die empfohlenen 30 Minuten Tragezeit nur im Liegen auf einem mit Frotteehandtüchern geschützten Kopfkissen übersteht. Küssen verboten, und wehe, eins der Kids will spielen. Ganz zu schweigen von dem Hund, der vielleicht mal ablecken möchte, was Frauchen da so schön vom Gesicht tropft. Da lob ich mir doch die Trockenvliesmaske von Make-up-Ikone Charlotte Tilbury, die man mit zwei Henkeln an den Ohren aufhängen kann, die getränkt, aber nicht durchnässt ist und mit der man angeblich sogar staubsaugen oder wenigstens im Sitzen ein Buch lesen kann! Wunderbar finde ich auch die sogenannten Eyepads – mit die ersten gab es von Estée Lauder –, effektiv, aber so hauchdünn, dass ich damit durch die Redaktion gelaufen bin, ohne dass irgendjemand was bemerkt hat. Übrigens auch eine tolle Empfehlung für Long Distance Flights!

Auch speziell getränkte Handschuhe, die über Nacht babyzarte Haut versprechen, sowie das Pendant für die Füße sind meines Erachtens nur für Singles praktikabel. Es sei denn, Ihr Liebster verspürt einen ähnlichen Wunsch und Sie finden Gefallen daran, sich gepolstert zu umarmen und womöglich noch mit Knirschschiene zu küssen.

Im Zuge des derzeit allgegenwärtigen Natur-Hypes fällt mir noch folgende Geschichte ein, die ein Beauty-affiner Freund gern zum Besten gibt: Er hatte sich das Gesicht dick mit Quark bestrichen, war darunter eingeschlafen und musste sich am nächsten Morgen die gesunde, aber inzwischen gipsartig eingetrocknete Schicht regelrecht abschlagen.

Nun fragen Sie sich sicher, was ich Ihnen damit sagen will: Zum Ersten finde ich alles, was schnell und unauffällig funktioniert, für zu Hause durchaus praktikabel und empfehlenswert. Mein Favorit: eine Maske, zum Beispiel „Masque Crème à la Rose Noire“ von Sisley, auftragen. Die Einwirkungszeit von circa zehn Minuten ist perfekt, um das Tee- oder Kaffeewasser aufzusetzen, zu duschen, Bodylotion einzucremen. Zum Zweiten bin ich mehr und mehr ein Fan von „Spa not at home“ geworden. Erst unter den geübten Händen einer Expertin kann ich wunderbar entspannen, da mich hier ja keine Störungen erwarten. Ich liege da, genieße – und wenn ich mal einschlafe, kann ich sicher sein, dass sämtliche Schichten fachkundig entfernt werden.

Illustration: Julia Pelzer

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